Zombie Mania

ZOMBIE MANIA
Autor: Reiner Knizia
Verlag: Noris Spiele
2-5 Spieler, 20-30 min, ca. 20 EUR

Die Box

Die Box

Ich muss mal wieder meinen inneren Knizia-Fanboy ausführen. Der gute Doktor scheint nicht mehr ganz so den Output zu haben wir vor einigen Jahren, aber ab und an schleicht sich doch noch etwas auf den Markt, das nicht nur das Re-Theme eines Re-Themes aus seiner Feder ist.

“Zombie Mania” war einer der herausgestellten Titel von Noris auf der diesjährigen SPIEL. Das allein stimmt schon nicht grenzenlos optimistisch – Noris ist nicht gerade berühmt für seine komplexen Spiele für anspruchsvolle Hardcore-Strategen, sondern für Krams, der sich in Supermarkt- und Kaufhausregale stapeln und sich als Geschenk für die nervigen Blagen von Cousine Mandy oder Schwager Kevin verwenden lässt (ehrlich gesagt hatte ich Noris als Herausgeber “richtiger” Spiele, also nicht nur billigen Kinderkrams, Spielesammlungen und doofem Lizenzkram wie dem hier besprochenen “Traumschiff” nicht mal mehr auf dem Zettel).

Meine Posse unterzog “Zombie Mania” auf der SPIEL auf mein Drängen hin (Fanboy, you remember) einer kurzen Prüfung und kam zu dem Schluss “muss wohl eher nicht”. Aber Fanboys wie moi haben bekanntlich kein Rückgrat – ich war kaum aus Essen zurück, grämte ich mich schon, das Spiel nicht mitgenommen zu haben. Nun gut, Noris-Spiele haben immerhin den Vorteil, das man sie an so ziemlich jeder Ecke käuflich erwerben kann…

Ein vollbestücktes Gebäude. Selbst wenn man Zombies mag, sind das vielleicht doch ein bisschen sehr viele...

Ein vollbestücktes Gebäude. Selbst wenn man Zombies mag, sind das vielleicht doch ein bisschen sehr viele…

Dass Meister Knizia bedingungslos bereit ist auf jeder Welle mitzuschwimmen, ist keine Neuigkeit – auch wenn mancher Spieler auf die Erwähnung eines neuen Zombie-Games mit Schreikrämpfen reagiert, die lustigen Untoten sind nach wie vor ein populäres Theme (und mit dem Dauererfolg von “The Walking Dead” ist nicht damit zu rechnen, dass das so schnell nachlässt), und der Doktor hat sich auch schon mehrfach mit den hirnmampfenden lebenden Leichen befasst – “Zombiegeddon” und “Mmm… Brains!” haben wir ja auch schon auf dieser Seite untersucht.

In “Zombie Mania” ist die Untotenplage mal wieder über eine idyllische Kleinstadt hereingebrochen. Überall haben die Kadaver sich breit gemacht und das geht der nicht zombifizierten Bevölkerung begreiflicherweise leicht auf den Keks. Die Zombies sollen wieder dahin, wo sie hingehören, nämlich auf den Friedhof, und wenn das schon nicht funktioniert, dann sollen sie wenigstens den Nachbarn nerven. Womit das schlichte Szenario bereits erschöpfend erklärt wäre.

Ein ganz brauchbarer Wurf - mit diesem Würfelbild kann ich einen Zombie von meinem Gebäude-Tablaue auf das Gebäude eines Gegenspielers versetzen...

Ein ganz brauchbarer Wurf – mit diesem Würfelbild kann ich einen Zombie von meinem Gebäude-Tablaue auf das Gebäude eines Gegenspielers versetzen…

Jeder Spieler erhält ein Gebäudetableau (Diner, Bungalow, Kirche, Frisörladen oder Tankstelle – das sind aber reine gestalterische Elemente, für’s Gameplay ist es herzlich wurscht, welches Gebäude man sich greift), zusätzlich wird das Friedhofs-Tableau in die Mitte des Tisches gelegt. Abhängig von der Spielerzahl werden nun die Gebäude mit Zombies belegt (je weniger Spieler teilnehmen, desto mehr Zombies tummeln sich auf ihrem Grundstück). Ziel des Spiels ist es nun, der erste Spieler zu sein, der zu Beginn seines Zuges ein zombiefreies Tableau vor sich liegen hat. Wie so oft bei Knizia-Filler-Games wird dies über Würfel bewerkstelligt.

Ist man am Zug, würfelt man die acht Spezialwürfel – diese haben drei Seiten mit unterschiedlichen Zombie-Symbolen, eine Seite mit einem Grabsteinsymbol, eine Seite mit einem Haus-Symbol und eine Seite mit einem “x2”-Multiplikator. Wie bei derlei Spielen üblich, darf man nach jedem Wurf einen oder mehrere Würfel beiseite legen und den Rest neu würfeln – allerdings *muss* man nach jedem Wurf ein Zombie-Symbol beiseite legen können. Würfelt man keinen Untoten, hat man in dieser Runde Pech gehabt und darf an den nächsten Spieler abgeben. Es gibt noch eine weitere Bedingung für einen gültigen Wurf – man muss am Ende seines Würfelergebnisses mindestens zwei Grabsteiner erwürfelt haben – ohne die ist alles andere, was man sich so zusammengegeiert hat, für die Katz. Würfeln darf man, so lange man will (und eben mindestens einen Zombie herauslegen kann).

Mit dem erste Wurf hat der Spieler zwei Häuser, einen Grabstein und zwei blaue Zombies herausgelegt. Der zweite Wurf bringt leider nicht den erhofften zweiten Grabstein, aber wenigstens kann er noch einen Zombie (entweder den grünen oder die Doppelzombies) herauslegen und mit den zwei verbleibenden Würfeln weitermachen...

Mit dem erste Wurf hat der Spieler zwei Häuser, einen Grabstein und zwei blaue Zombies herausgelegt. Der zweite Wurf bringt leider nicht den erhofften zweiten Grabstein, aber wenigstens kann er noch einen Zombie (entweder den grünen oder die Doppelzombies) herauslegen und mit den zwei verbleibenden Würfeln weitermachen…

Die Krux ist, dass man grundsätzlich jedes Symbol *zweimal* braucht, ehe man damit etwas anfangen kann. Um einen Zombie aus seinem Gebäude auf den Friedhof zu schubsen, muss man also zwei gleiche Zombiesymbole erwürfeln. Hat man das Doppel-Zombiesymbol zweimal im Wurfergebnis, darf man zwei Untote aus seinem Haus auf den Friedhof schicken. Hat man zudem noch den “x2”-Multiplikator zweimal, verdoppelt sich die Anzahl der Zombies, die man verscheuchen darf. Und würfelt man zwei Häuser, gehen die Zombies nicht auf den Friedhof, sondern zu einem beliebigen Mitspieler. Und das war’s dann auch schon, was “Zombie Mania” an spielerischer Abwechslung und taktischer Finesse bietet. “Heckmeck am Bratwurmeck”  ist dagegen “Arkham Horror”…

Man würfelt vor sich hin, schiebt Zombies (meistens) auf den Friedhof und (selten) zu einem Rivalen. Im Vergleich zu manch anderem push-your-luck-Spiel geizt “Zombie Mania” an wirklich interessanten und/oder kniffligen Entscheidungen – der Zwang, alles doppelt haben zu müssen, verbunden mit dem Muss, einen Zombie herauszulegen, macht es meistens sehr sehr offensichtilch, welche Würfel man neu werfen sollte und welche nicht. Ein echter “design flaw”, der einem Knizia nicht passieren sollte, ist, dass man auch wenn man Zombies zu einem Mitspieler schubsen will (also eh schon zwei Häuser erwürfeln muss), trotzdem noch die zwei Grabsteine braucht – d.h. die Hälfte der Würfel sind schon “verbraucht”, ehe man überhaupt nur daran gehen kann, Zombiesymbole zu sammeln. Das bedeutet im Umkehrschluss logischerweise, dass man nur ausgesprochen selten in die Verlegenheit kommen wird, Zombies nicht auf den Friedhof, sondern zum Nachbarn zu befördern. Mangels irgendwelcher das Gameplay aufpeppender Sonderregeln wird die ganze Chose tatsächlich recht schnell langweilig – zumal dann auch die Ausstattung das Spiel nur unnötig aufbläht. Weder die (grafisch hübsch gestalteten) Tableaus noch die (sehr robust wirkenden und nett ausgeführten) Zombie-Figuren sind für das Spiel essentiell notwendig, das lässt sich genauso gut mit ein paar Haufen Streichhölzern oder Münzen als “Zombies” und den Würfeln spielen, so dass man letztlich für eine sehr simple Spielidee mit einem Haufen “fluff” bezahlt.

Der Friedhof füllt sich...

Der Friedhof füllt sich…

Mir kommt das ganze Spiel sehr unausgegoren vor, wie ein erster Entwurf für eine Spielmechanik, aus der man (in dem Fall Knizia) etwas brauchbares entwickeln wollte, aber es dann einfach auf den Markt geworfen hat. “Zombie Mania” hat nicht mehr als die Grundmechanik des Zombie-Ablegens, aber nichts, was das Gameplay wirklich interessant macht. Die am einfachsten umzusetzende Idee meinerseits wäre eben die Hausregel, dass man zwei Häuser ODER zwei Grabsteine würfeln muss, um Zombies aus dem Haus zu bekommen, ein anderer Gedanke, um zumindest das Spielprinzip aufzuwerten, wäre ein Würfelsymbol, das ein Kartendeck mit Ereignis- oder Aktionskarten ins Spiel bringt, um die Spielsituation etwas durcheinander zu, äh, würfeln. In der veröffentlichten Form ist das Spiel arg linear und abwechslungsarm und zweifellos eines der schwächsten Knizia-Spiele, das mir bislang untergekommen ist.

Selbst, wenn man ins Kalkül zieht, dass das Spiel ob seiner simplen Regeln und dem nett gemachten Comic-Stil des Artworks sich ganz ersichtlich nicht an den Hardcore-Gamer richtet, sondern eher an Kids, reißt mich die ganze Nummer nicht vom Hocker – nach meinen Erfahrungen mit Kindern im Alter von 8 bis 12, die man überhaupt soweit bekommt, sich an einem Brettspiel zu versuchen, kann man deutlich gehaltvollere Spiele vorsetzen – so doof, dass sie nicht auch mehr als drei Regeln kapieren, sind die Kurzen ja normalerweise dann doch nicht.

Für’s Artwork und das durchaus wertige Spielmaterial gibt’s ein paar Bonuspunkte (mit ein wenig Kreativität kann man sich vermutlich selbst mit dem gelieferten Material ein spannenderes Spiel ausdenken als vom Werk ab in der Schachtel steckt), aber als *Spiel* ist “Zombie Mania” ein ziemlicher Rohrkrepierer. Spielbar, ja, aber ziemlich langweilig.

dice6dice0

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