Rollin’ Bones: Pirates of the Caribbean (On Stranger Tides) Dice Game

ROLLIN’ BONES: PIRATES OF THE CARIBBEAN (ON STRANGER TIDES) DICE GAME
Autor: N.A.
Verlag: JAKKS
2-4 Spieler, ca. 10 min, ca. 6 EUR

Rollin' Bones - noch originalverpackt...

Rollin’ Bones – noch originalverpackt…

Wie wir an dieser Stelle schon mehrfach festgestellt haben, ist das mit Lizenzspielen so eine Sache. Der ebenfalls schon zahlreich referierte Kollege Nezold hat, obwohl Österreicher, eine für den Hausgebrauch ganz patente Faustregel aufgestellt – wenn das Spiel zeitgleich oder zumindest in engem zeitlichen Kontakt mit dem Film (und darum geht’s bei Lizenzware ja meist) herauskommt, kann man das Spiel voraussichtlich vergessen, sind dagegen ein paar Jahre ins Land gezogen, besteht zumindest die Möglichkeit, dass das Spiel von jemandem gebastelt wurde, der nicht nur an den schnellen Dollar gedacht hat (ein gutes Beispiel dafür ist das auf “Chrononauts” basierende “Back to the Future”-Kartenspiel).

Unser heutiges corpus delicti ist mal wieder ein “aktuelles” Lizenzspiel, das pünktlich zum Kinostart des vierten “Fluch der Karibik”-Teils “Fremde Gezeiten” auf den Markt geprügelt wurde. Das Piratenfranchise ist dabei einer der Sonderfälle, in dem nicht nur die üblichen franchise-gebrandeten Kaufhausmassenspiele wie “Monopoly”, “Risiko” oder “Spiel des Lebens” erschienen, sondern auch ein ganzer Strauß mehr oder weniger einfallsreicher “Originale”. “Rollin’ Bones” ist dabei der Vertreter für den kleinen Geldbeutel (mittlerweile bei einschlägigen Versendern auch schon für den Gegenwert zweier Bratwurstsemmeln zu haben) und dabei offenkundig auch der Versuch, auf den von “Zombie Dice” losgetretenen Trend schneller push-your-luck-Würfelspiele aufzuspringen (wir lernen: auch die große Industrie erkennt eine vogue, wenn sie ihr ins Gesicht springt). Das war dann eigentlich auch der Hauptgrund, warum ich mir das Spiel trotz des oben erwähnten Risikos zulegte – dieses Subgenre beackere ich mit gelindem Komplettismuswahn.

Gebrauchsfertig sieht die Sache dann so aus...

Gebrauchsfertig sieht die Sache dann so aus…

Für sein Geld erhält man vierzehn Spezialwürfel, einen leichten Stoffbeutel und ein Regelblatt, alles zusammen in eine Verpackung gepfriemelt, die man als Ästhetennerd gar nicht aufmachen will – die Würfel, allesamt knochenförmig, sind in Form einer schmucken Skeletthand angeordnet, in die man sie natürlich nach Öffnen der Packung nie wieder zusammenfügen können wird (der wahre Sammlernerd kauft also mindestens zwei Spiele…). Unsere Fingerknochen sind also im Spielsinne vierseitige Würfel von unterschiedlicher Form und Größe (was es zugegeben nicht immer einfach macht, die Dinger wirklich zu rollen und nicht einfach zu werfen). Was ist nun der Sinn der ganzen Knochenmühle?

Jeder Würfel zeigt vier Symbole – entweder einen Knochen, einen Säbel, eine Schaufel oder einen Totenkopf. Zu Spielbeginn liegen alle Würfel in der Mitte des Tisches. Der Spieler, der am Zug ist, greift sich einen beliebigen Würfel heraus und rollt ihn. Seine Aktion wird vom gewürfelten Symbol bestimmt – beim Knochen muss er einen einen weiteren Würfel aus dem Haufen nehmen und beide erneut würfeln (hat man, was durchaus vorkommt, mehrere Würfel in seinem privaten Würfelpool, und würfelt mehrere Knochen, darf man auch mehrere Würfel aus dem Haufen nehmen, muss aber nicht). Wenigstens ein Totenkopf beendet den Zug sofort und der Spieler muss alle Würfel, die er derzeit in seinem Pool hat, in den Haufen zurücklegen.

Harr, aber wie bei Long John Silvers Holzbein kommt man an einen “Würfelpool”? Hierfür ist primär der Säbel zuständig. Der erlaubt es grundsätzlich, einem anderen Spieler einen Würfel aus dessen Pool zu “stehlen” (wie beim “Knochen” muss der elende Dieb seine Würfel danach neu rollen). Es kommt aber sehr häufig vor, dass kein Spieler einen klaubaren Würfel vor sich liegen hat – in dem Falle behält man den Säbel in seinem Pool, beendet seinen Zug und muss diesen (und ggf. weitere Würfel, die man im Pool hält) dann im nächsten Zug mit dem Würfel, den man auf jedem Fall aus dem Haufen nachziehen muss, würfeln.

Eine Schaufel gewürfelt - der Knochen ist mal sicher vergraben (sagt auch Wuffi, der Piratenhund).

Eine Schaufel gewürfelt – der Knochen ist mal sicher vergraben (sagt auch Wuffi, der Piratenhund).

Das ist nun alles schön und gut, aber irgendwie muss “Rollin’ Bones” ja mehr auf der Pfanne haben als nur Würfel aus dem Pott zu nehmen und sie wieder reinzuschmeißen, gell? Deswegen gibt’s ja auch das vierte Symbol, die Schaufel. Jede gewürfelte Schaufel ist ein “vergrabener Schatz” – der darf beiseite gelegt werden und kann nicht mehr geraubt werden – man zielt also wenig überraschend darauf ab , möglichst viele Würfel auf diese Art zu sichern (würfelt man in einem Wurf mehrere Schaufeln, darf man natürlich auch alle beiseite legen).

Wichtig zu wissen ist nun, dass man sich freilich nur für eine der erwürfelten Aktionen entscheiden kann (und ein gewürfelter Totenkopf auch bedeutet, dass drei gleichzeitig gewürfelte Schaufeln für Davy Jones’ Locker gerollt waren). Man kann also, entsprechend gewürfelte Symbole vorausgesetzt, entweder nachziehen ODER klauen ODER vergraben. Sind alle vierzehn Würfel dann erfolgreich unter den Spielern verteilt, kommt es zum Showdown – jeder Spieler rollt alles seine gesicherten Knochen und nun kommt’s drauf an, ganz piratesk die meisten Totenköpfe zu würfeln – je mehr Würfel man zuvor sichern konnte, desto größere Chancen hat man in diesem Endkampf natürlich, eine Garantie ist es allerdings nicht (wie ich aus leidgeprüfter Erfahrung bestätigen kann, habe ich doch so ziemlich mit jedem Kräfteverhältnis triumphal verloren).

Showdown! Der Spieler links hat mit vier geworfenen Skulls klar gewonnen...

Showdown! Der Spieler links hat mit vier geworfenen Skulls klar gewonnen…

“Rollin’ Bones” bewirbt sich – wie schon erwähnt – als push-your-luck-Würfelspiel, doch diese Komponente ist nicht besonders ausgeprägt, beschränkt sie sich doch mehr oder minder auf das Neurollen nachgezogener bzw. gestohlener Würfel und das ist eben weniger “push your luck” als “zum Glück gezwungen werden”, da einem die Regel ja keine Wahl lässt, ob man das wirklich tun will oder nicht. Die andere “push-your-luck”-Chance (beim Würfeln mehrerer Knochen oder Säbel auch mehrere Würfel nachzuziehen bzw. zu stehlen) ist erstens sehr selten und zweitens zumeist nicht sinnvoll. Ein anderes Designproblem ist der Fall des letzten Würfels – es kann sein, dass ein Spieler den zehnmal hintereinander rollt, bis er ihn entweder gesichert oder per Totenkopf wieder in die Mitte zurückgeschoben hat, damit sich ein anderer Spieler versuchen kann; der Rest der Runde dreht dieweil notgedrungen Däumchen. Klar, das dauert nicht SO lange, dass die Mitspieler zwischendurch ne Runde “Rock Paper Scissors War” anfangen müssen, aber es kann ein klein wenig nerven.

Die Knochenwürfel sind sehr hübsch, wenn auch aus simplem Hartplastik, aber nicht unbedingt, wie schon angedeutet, angenehm zu rollen (besonders die etwas klobigen größeren Knochen tendieren dazu, nach dem Wurf einfach liegenzubleiben. Was aber, zugegeben, bei D4s auch in “herkömmlicher” Form gern mal passiert). Keinen Einwand habe ich gegen die (englische) Spielanleitung – soo kompliziert ist es ja dann auch nicht.

Trotz der Möglichkeit der direkten Spielerinteraktion über die Klau-Aktion kann es “Rollin’ Bones” nicht mit den Genre-Highlights wie “Zombie Dice” und “Martian Dice” mithalten – das Gimmick der coolen Würfelknochen allein reißt’s halt nicht raus (auch wenn man sich mit etwas Hirnschmalzeinsatz womöglich andere Einsatzmöglichkeiten für die Dinger einfallen lassen kann). “Rollin’ Bones” ist sicherlich spielbar (wobei ich drei Spieler für die ideale Spielerzahl halten würde), lässt dem Spieler aber relativ wenige Entscheidungsmöglichkeiten (wenn man mehrere Würfel hat und damit verschiedene Symbole würfelt, liegt es meistens klar auf der Hand, welche Aktion man wählen sollte). Kann man, schon allein des Gags wegen, bei einer Party mal auftischen, ein gehaltvolleres Spielerlebnis hat man sicherlich mit Kram wie dem oben im Absatz Erwähnten, “Dragon Slayer” oder “Zombies!!! Roll them Bones!”.

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