Dragon Slayer

DRAGON SLAYER
Autor: David Mortimer
Verlag: Indie Boards & Games
2-6 Spieler, ca. 20 min, ca. 10 EUR (Import)

Die Box

Die Box

Die Geschichte vom tapferen Ritter, der auszog, den bösen Drachen zu erschlagen,ist einer der populärsten Heldenmythen, den man sich vorstellen kann, und interessanterweise kulturübergreifend – der Drache an und für sich hat von Mittelamerika über Europa bis nach Asien seine Spuren in Legenden und Mythen hinterlassen, ohne dass es offensichtliche Verbindungen zwischen den jeweiligen Kulturen gibt. Grund genug für Paläontologen und Anthropologen, nach einem solchen Bindeglied zu suchen…

Neben den Produzenten von Fantasyfilmen und Schreiberlingen hastig heruntergetippter Pulp-Romane können sicher auch die Spieleverlage froh und dankbar darüber sein, dass der Drache ein so universell erkenn- und verwertbares Motiv ist, das bedenkenlos in praktisch jedes Fantasy-Szenario geworfen werden kann. Indie Boards & Games, der umtriebige Kleinverlag, der mit seinem Feuerwehr-Kooperativspiel “Flashpoint Fire Rescue” einen Überraschungshit gelandet hat, schubste daher Anfang des Jahres auf Kickstarter ein weiteres “mach-den-Drachen-putt”-Spiel an, bei dem man sich beinahe wundert, dass es ob seiner push-your-luck-Würfelmechanik nicht in einer Becherdose bei Steve Jackson gelandet ist.

In “Dragon Slayer” schlüpfen zwei bis fünf (in der Kickstarter-Edition sind netterweise noch die Zutaten für einen sechsten Spieler enthalten – nicht, dass man dieses Material zwingend *braucht*, darauf werde ich noch eingehen) Spieler in die Rolle von tapferen Drachentötern, die es sich zur heiligen Pflicht gemacht haben, die das Königreich heimsuchende Plage geflügelter Feuerspeier auszumerzen.

Würfel, Marker und Punktetracker

Würfel, Marker und Punktetracker

In jeder Runde hat man zunächst mal die Auswahl, es mit einem von drei Drachen aufzunehmen – einer davon ist relativ leicht zu besiegen, bringt aber nur 2 Siegpunkte, einer ist mittelhart im Nehmen und bringt vier Punkte, einer ist außerordentlich böse, bringt dafür aber gleich 6 Zähler für’s Punktekonto. Hat man sich entschieden, welchen Drachen man nun angreifen will, nimmt man die drei Würfel, die den Drachen repräsentieren sowie seine drei “Kriegerwürfel”.  Die Drachenwürfel zeigen die Symbole “Kopf”, “Flügel” und “Schwanz” sowie “Berg” und “Feueratem”. Die ersten drei dürften selbsterklärend sein – um den Drachen erfolgreich zu killen, sollte man schon alle Bestandteile desselben erwürfelt haben. Der “Berg” ist quasi eine Niete – dieser Würfel wird getrennt gelegt, der “Feueratem” ist eher schlecht. Mit den Kriegerwürfeln kann man Äxte, Schilde und Feueratem erwürfeln. Mindestens eine Axt braucht man, um den Drachen zu töten, jeder Schild neutralisiert einen Feueratem. Hat man dummerweise mehr Feueratem als Schilde gewürfelt, geht man für jeden dieser zusätzlichen Flammenwerfer für den Rest des Zuges eines Kriegerwürfels verlustig. Hat man das soweit ausgekaspert und sortiert, kuckt man, ob man bereits den kompletten Drachen und mindestens eine Axt hat – ist das der Fall, ist der Drache erfolgreich erlegt. Fehlt die Axt, hat man schmählich versagt und beendet den Zug ohne Punkte. Fehlt ein oder mehrere Drachenteile, kann man weiterwürfeln. Man würfelt dann die nicht verbrauchten Drachenwürfel und die Kriegerwürfel neu und löst das Ergebnis nach dem gleichen Prinzip wieder auf, bis man entweder den Zug mangels Kriegerwürfeln oder Äxten beenden muss oder den Drachen erlegt.

Ein typischer Wurf - wir haben den Kopf des grünen Drachen, einen feurigen Atem, einen Berg und zwei Äxte...

Ein typischer Wurf – wir haben den Kopf des grünen Drachen, einen feurigen Atem, einen Berg und zwei Äxte…

Hat man nun noch Mut und ausreichend Kriegerwürfel auf der Hand, kann man nun einen weiteren Drachen jagen, was nach dem gleichen Muster erfolgt. Sollte man mit heißer Würfelhand alle drei Drachen in einem Zug gekillt haben, darf man mit einem neuen Satz Drachen weitermachen (es müssen aber erst alle Drachen besiegt worden sein, ehe man einen bestimmten Drachentyp zum zweiten Mal attackiert). Ist man mit seinem Ergebnis dann endlich zufrieden, könnte man nun theoretisch Punkte schreiben, wären da nicht die lieben Mitspieler. Jeder Spieler kann nämlich einmal im Spiel eine “Herausforderung” aussprechen und den aktiven Spieler ultimativ dazu anstacheln, seine Jagd fortzusetzen. Der Herausgeforderte kann nun als feiges Huhn ablehnen – dann darf er aber nur die Hälfte seiner Punkte gutschreiben und der Herausforderer bekommt kampflos fünf Siegpunkte. Oder er ist ein aufrechter Ehrenmann und tut, wie ihm gesagt – dann muss er aber mindestens noch einen Drachen erlegen. Scheitert er, ist sein ganzer Zug für die Tonne (und der Herausforderer kassiert die fünf Punkte), schafft er es, zählen der oder die Drachen, die er zusätzlich nach Drachenwalhalla befördert hat, doppelt.  Sobald ein Spieler 40 Punkte erreicht hat, wird die laufende Runde fertiggespielt, der Punktbeste gewinnt.

Auf die Battlemat sortiert sieht dass dann so aus. Der Schild neutralisiert das Feuer, wir können also mit praktisch voller Kraft weiter würfeln und die nächsten Drachenteile suchen...

Auf die Battlemat sortiert sieht dass dann so aus. Der Schild neutralisiert das Feuer, wir können also mit praktisch voller Kraft weiter würfeln und die nächsten Drachenteile suchen…

Wie das gerade besprochene “Chupacabra: Survive the Night” versucht auch “Dragon Slayer” die Achillesferse der push-your-luck-Würfelspiele abzumildern. Während “Chupacabra” auf simultanes Gameplay setzt, ist es hier das kleine taktische Element, den richtigen Zeitpunkt für eine Herausforderung abzupassen. Da man nur eine Herausforderung pro Spiel frei hat, gilt es, den Moment zu erwischen, in dem ein Gegner verwundbar ist (weil er nur z.B. nur noch einen Kriegerwürfel zur Verfügung hat) und gleichzeitig ein hoher Score für ihn auf dem Spiel steht (einen vorsichtigen Spieler herauszufordern, der gerade erklärt hat, mit 2 Punkten zufrieden zu sein, macht sicherlich weniger Sinn als dann zuzuschlagen, wenn das ausgekuckte Opfer drauf und dran ist, zehn Punkte einzutüten). Ergo lohnt es sich, nicht ganz auf geistigen Durchzug zu schalten, wenn man selbst grad nicht dran ist, und das Spiel der Gegner entsprechend zu beobachten. Natürlich muss auch der Herausgeforderte abwägen, ob es das Risiko wert ist,sich der Herausforderung zu stellen oder als feiges Huhn dazustehen (das wollte ja auch schon Marty McFly nie) und dem Herausforderer fünf einfache Punkte zuzuschanzen. Dieser kleine taktische Twist hält das wie genreüblich sehr flotte Gameplay nicht weiter auf, verleiht der reinen Würfelei aber einen gewissen Pfiff und Interaktion, die “Zombie Dice” & Konsorten normalerweise eben nicht haben.

Der Spieler hat den grünen Drachen auf Kosten eines Kriegerwürfels erlegt und versucht nun sein Glück mit einem Würfel weniger beim blauen Drachen - und hat Pech gehabt, zweimal Feueratem ohne Schilde, da nutzen auch die zwei Drachenteile nichts mehr. Der Zug ist verloren.

Der Spieler hat den grünen Drachen auf Kosten eines Kriegerwürfels erlegt und versucht nun sein Glück mit einem Würfel weniger beim blauen Drachen – und hat Pech gehabt, zweimal Feueratem ohne Schilde, da nutzen auch die zwei Drachenteile nichts mehr. Der Zug ist verloren.

Die Regeln sind nicht ganz intuitiv (besonders die Frage, welche Würfel man neu würfeln darf, muss man sich zwei oder dreimal beantworten, ehe man sie sich verinnerlicht hat; außerdem geht aus der Spielregel nicht klar hervor, ob man eine Axt “aufheben”, d.h. beiseite legen darf, um nach dem Re-Roll eine siche zu haben. Meiner Interpretation nach ist das legal), aber nach ein paar Würfen geht das auch mit nicht-regelmäßigen Gamern ganz flott. Das Spielmaterial besteht aus 12 Würfeln (drei mal drei Drachenwürfel, drei Kriegerwürfel) und einen Herausforderungs-Marker pro Nase, mehr wird eigentlich nicht benötigt, aber die sehr erfolgreiche Kickstarter-Kampagne hat einiges an “Fluff” in die Schachtel gespült – die drei “Battlemats” sind Ablageflächen für die Würfel, die die Organisation des Wurfs tatsächlich etwas einfacher machen, und auf der Rückseite eine optionale Punktetafel mitbringen, falls man keine Lust hat, den Score händisch mitzuschreiben. Damit man auf die Punktetafel auch was draufstellen kann, gibt’s dafür Plastikwürfel in sechs Farben und, damit auch klar ist, wer mit welcher Farbe spielt, sechs völlig überflüssige, aber witzige Rittermarker.

Wer push-your-luck-Würfelspiele liebt, kommt hier voll auf seine Kosten – ein unverwüstliches Theme, recht einfallsreiche Würfelmechanik und das spaßige Herausforderungs-Gimmick machen “Dragon Slayer” zu einem empfehlenswerten Genrevertreter, das der aufgeklärte Würfelfan von Welt allemal neben die Zombie- und Marswürfel ins Regal stellen sollte!

dice6dice3

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