13 Frights

13 FRIGHTS
Autor: Tim Mulhall
Verlag: Candy Corn Games
2-5 Spieler, ca. 20 min, 15 USD

Halloween steht vor der Tür und nachdem der ur-amerikanische Brauch mittlerweile auch fest in der hiesigen Pop-Kultur verankert ist, liegt ja nicht viel näher, als sich mit einem Halloween thematisierenden Spiel zu befassen.

Die Box

Die Box

“13 Frights” von Tim Mulhall ist mal wieder ein Kartenspiel, das seinen Ursprung auf Kickstarter hatte und von mir pflichtschuldigst supported wurde. Nun ist ‘ne nette Idee kein Garant dafür, dass am Ende auch ein vernünftiges Spiel ‘bei rumkommt, aber schauen wir uns die Sache doch mal näher an.

Für seinen schmalen Obolus erhält der geneigte Zocker stolze 108 Karten in Tarotkartengröße (passt ja auch wieder zum Thema), die sich in grundsätzlich in drei Kartenarten unterteilen – die 13 titelgebenden “Frights” bzw. Tricks, 91 Treat-Karten und vier Charakterkarten. Wir bemerken als aufmerksame Konsumenten – Halloween, Tricks und Treats, das wird wohl mit “trick or treating” zu tun haben, und da im Englischen “trick taking” auch die Bezeichnung für Stich-Kartenspiele sind, sieht das Thema schon mal gut getroffen aus.

Ein einsamer Rabe bringt einen Punkt. Spieler 1 und 2 bieten jeweils 3 Treats, Spieler 3 5 Treats. Damit hat Spieler 3 klar gewonnen, aber vielleicht schon zu früh eine zu hohe Treat-Karte eingesetzt...

Ein einsamer Rabe bringt einen Punkt. Spieler 1 und 2 bieten jeweils 3 Treats, Spieler 3 5 Treats. Damit hat Spieler 3 klar gewonnen, aber vielleicht schon zu früh eine zu hohe Treat-Karte eingesetzt…

Die Tricks haben Werte von 1 bis 13 und sind mit entsprechenden Halloween-Motiven verziert (da haben wir z.B. “three black cats”, “twelve zombies dancing” oder “thirteen jack-o-lanterns” – das erinnert nicht von ungefähr an die “twelve days of Christmas”). Diese werden entsprechend ihren Werten aufgestapelt – ganz oben liegt also die “1”, ganz unten die “13”. Die restlichen Karten werden durchgemischt und an jeden Spieler 13 Karten ausgegeben. Es geht nun – große Überraschung – darum, die Tricks zu ergattern, doch vor dieses Vergnügen hat Große Kürbis den “trick-or-treat”-Part gesetzt. Der äußert sich hier in der Weise, dass man dem rechten Nachbarn eine Karte aus der Hand klaut (während natürlich gleichzeitig der linke Nachbar das selbe mit einem selbst anstellt. Die gerade geklaute Karte kann dabei nicht wieder geklaut werden). Nach dem fröhlichen Kartenklau kann’s nun ernsthaft daran gehen, den Trick auszuspielen. Jeder Spieler legt verdeckt eine Karte aus seiner Hand ab, gemeinsam wird umgedreht. Die höchste ausgespielte Treat-Karte gewinnt den Stich – bei einem Unentschieden geht der Stich an den Spieler mit der nächstniedrigeren Karte, lässt sich beim besten Willen kein eindeutiger Sieger auskaspern, bleibt der Trick im Pott und wird in der nächsten Runde mitvergeben. Dann zieht jeder Spieler wieder eine Karte nach und die nächste Runde, mit dem Preis des nächsthöheren Tricks, kann beginnen.

5 Punkte für die Leprechauns stehen auf dem Spiel. Spieler 2 und 3 haben jeweils 7 Treats eingesetzt, damit geht der Stich an Spieler 1 mit seinem 6-Treat-Gebot.

5 Punkte für die Leprechauns stehen auf dem Spiel. Spieler 2 und 3 haben jeweils 7 Treats eingesetzt, damit geht der Stich an Spieler 1 mit seinem 6-Treat-Gebot.

Abwechslung in die Bude bringen die Charakterkarten, die man im Spielverlauf ggf. auf die Hand bekommt. Der “Troll” gewinnt automatisch jeden Stich, ist also quasi Trumpf (er hat halt nur Pech, wenn er gegen einen anderen Troll ausgespielt wird), der “Puppet Master” erlaubt dem ausspielenden Spieler, sich einen Spieler auszukucken und dessen ausgespielte Treat-Karte durch eine blind aus der Hand des Betroffenen gezogene andere Karte zu ersetzen – im Zwei-Spieler-Spiel lässt sich diese Karte kaum gewinnbringend einsetzen, weil man ja auf keinen Fall als Ausspielender den Stich gewinnen kann (außer man hofft, dem Gegner, der vielleicht nur eine niedrige Treat-Karte gespielt hat, zu zwingen eine höhere Karte, die bei wertvolleren Stichen für ihn nützlich wäre, einzusetzen), bei drei oder mehr Spielern kann man die Karte aber schon mit ein bisschen Glück dazu nutzen, einen in Führung liegenden Spieler gezielt zu sabotieren und den Stich an einen “ungefährlicheren” Konkurrenten zu geben.

Jetzt geht es schon um 9 Punkte. Spieler 1 bietet 11 Treats, Spieler 2 nur 4. Spieler 3 spielt den Puppet Master aus und zieht blind aus der Hand von Spieler 1 eine Karte, in der Hoffnung, dass der zurückliegende Spieler 2 dann den Stich macht...

Jetzt geht es schon um 9 Punkte. Spieler 1 bietet 11 Treats, Spieler 2 nur 4. Spieler 3 spielt den Puppet Master aus und zieht blind aus der Hand von Spieler 1 eine Karte, in der Hoffnung, dass der zurückliegende Spieler 2 dann den Stich macht…

Sind alle Stiche erfolgreich verteilt, werden die Punkte gezählt – die Tricks zählen ihre jeweiligen Werte von 1 bis 13 (womit dann auch klar ist, dass man einerseits bei den niedrigen Tricks nicht verausgaben sollte, andererseits auch sich nicht nur darauf verlassen solle, bei den hohen Werten abzuräumen), die Treats, die man noch auf der Hand hält, bringen jeweils ihren halben Wert an Punkten (so dass man durchaus auch überlegen kann, sich gerade in den letzten Runden zurückzuhalten, wenn man eine Reihe hochwertiger Treat-Karten auf der Hand hält). Nur nicht ausgespielte Charakterkarten sind wertlos, die sollte man also auf alle Fälle loswerden, ehe es zu spät ist.

Alternativ wird als verschärfte Regelvariante angeboten, ohne Kartennachzug zu spielen, d.h. mit den 13 Karten zurechtzukommen, die man zu Spielbeginn auf die Hand bekommt, was naturgemäß ein etwas taktischeres Vorgehen verlangt, aber natürlich auch zu grob unfairen Kartenhänden führen kann (weswegen die Regeln auch vorschlagen, bis zum Erreichen von 500 Punkten zu spielen, damit sich das über mehrere Runden ausbalanciert). In dieser Variante gehen ausgespielte Treats an den Stichgewinner und zählen voll.

Der Troll. Im Gegensatz zu Facebook und Internet-Foren gewinnt er hier immer...

Der Troll. Im Gegensatz zu Facebook und Internet-Foren gewinnt er hier immer…

Natürlich erfindet “13 Frights” das Trick-Taking-Genre nicht neu und ob der Twist des Kartenstehlens und die Charakterkarten (von denen man vielleicht ein paar mehr und ein paar mehr Rollen hätte einbauen können…) genügend Anreiz ist, sich ein weiteres Stichspiel ins Regal zu stellen, ist eine Gewissensfrage, die jeder Spieler sich selbst stellen muss, das Spiel an sich allerdings bietet wenig Grund zur Klage. Es empfiehlt sich sicherlich, mit mindestens drei Spielern zu spielen (es funktioniert auch zu zweit, aber dann fällt die pfiffige Sonderregel, dass bei einem Unentschieden eben das nächstniedrigere Gebot gewinnt, weg), damit die Dynamik des Spiels richtig in Fahrt kommt (und sich eben auch die Charakterkarten sinnvoll einsetzen lassen).

Die Karten sind, insbesondere eingedenk des günstigen Preises, qualitativ hochwertig – das Artwork pendelt zwischen “funktionell” für die Treat-Karten und wirklich schön-thematisch-schaurig für die Tricks und Charakterkarten. Die (englische) Spielanleitung ist gut verständlich, ausführlich und angemessen strukturiert. Das Spiel selbst funktioniert weitgehend sprachunabhängig, lediglich die Funktionen der Charakterkarten müssen für des Englischen Unkundige vor Spielbeginn kurz klargestellt werden.

Das macht “13 Frights” insgesamt zu einem ordentlichen Zwischendurchspiel (das übrigens im Hotel in Essen während der SPIEL neugierige Blicke auf sich zog. Schätze, Mr. Mulhall hätte ein paar Exemplare verkaufen können…), schnell erklärt, schnell gespielt und doch einige knifflige Entscheidungen abverlangend. Für eine Halloween-Spieleparty kann man jedenfalls eine deutlich schlechtere Wahl treffen!

 

dice6dice2

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: