Heckmeck am Bratwurmeck

HECKMECK AM BRATWURMECK
Autor: Reiner Knizia
Publisher: Zoch
2-7 Spieler, 20-30 min, ca. 8 EUR

Heckmeck am Bratwurmeck - Die Box

Heckmeck am Bratwurmeck – Die Box

Starten wir also mit gewisser Verspätung ins Jahr 2014… da ich leider aus verschiedentlichen Gründen seit einiger Zeit nicht wirklich zum Spielen gekommen bin und noch ein ganzer Schwung Neuerwerbungen im Regal Staub ansetzt, werde ich Euch und mir die Zeit zum nächsten offiziellen Spieleabend (und damit Antesten der Neuheiten) damit verkürzen, ins “Backprogramm” zu tauchen und das ein oder andere ältere Spielchen vorstellen, das ich aus eigener Erfahrung besprechen kann ohne es zwingend in den letzten vierzehn Tagen tatsächlich auf dem Tisch gehabt zu haben.

Die Komponenten...

Die Komponenten…

Fangen wir an mit einem Werk des umtriebigen Doktors Reiner Knizia, das ich, wenn ich mich recht erinnere, auch schon mal referenziert habe. Seinem knuffig-niedlichen Namen zum Trotz – der wohl hauptsächlich dafür sorgen soll, dass der Kram in Zochs “Zicke Zacke”-Reihe preiswerter kaufhaustauglicher Familienminispiele passt – ist “Heckmeck am Bratwurmeck” (dem der Doktor zwischenzeitlich auch noch ein Sequel mit dem Titel “Sushizock am Gockelwok” angedeihen hat lassen) ein ziemlich cleveres kleines Würfelspiel mit – wie für den Herrn Knizia typisch – mathematischer Komponente.

Im Spielesinne sind wir zwei bis sieben Spieler hungrige Hühner, die sich gerne leckere Würmer auf den Grill schmeißen. Wie im richtigen Leben aber auch ist nichts umsonst – das Barbecue muss man sich erst mal erarbeiten…

In der kleinen Schachtel finden sich acht sechsseitige Spezialwürfel und 16 “Bratwurmportionen” – domino- (oder rummikub-)steingroße Plättchen mit den Zahlen von 21 bis 36 und jeweils ein bis vier Würmern. Es ist nun relativ leicht auszuknobeln, dass unsere Aufgabe drin bestehen wird, uns mit den Würfeln diese Portionen zu erspielen. Die Würfel zeigen Zahlen von eins bis fünf wie jeder handelsübliche W6 auch, anstelle der sechs ziert unsere analogen Zufallszahlgeneratoren aber ein Wurm. Wer am Zug ist, würfelt nun alle acht Würfel und legt die Würfel *eines* Wertes beiseite. Mit den übrigen Würfeln würftelt man weiter und legt nun die Würfel eines *anderen* Wertes beiseite (d.h. wer im ersten Wurf die “Dreier” rausgelegt hat, für den sind die “Dreier” in den weiteren Würfen des gleichen Zugs tabu – ein ähnliches Prinzip kennen wir aus “Martian Dice”). Dies lässt sich beliebig oft (naja, maximal sechsmal) wiederholen, bis der Spieler entweder mit seiner Ausbeute zufrieden ist oder – was schlecht ist – keine Würfel mehr beiseite legen kann, weil er nur noch Werte gewürfelt hat, die er bereits beiseite gelegt hat.

Die ausgebreitete Auslage an Bratwürmern...

Die ausgebreitete Auslage an Bratwürmern…

Im ersteren Fall addiert der Spieler nun die Augenzahlen aller beiseite gelegter Würfel – um diese werten zu können, muss er aber mindestens einen Wurm gewürfelt (und beiseite gelegt) haben. Nun prüft der Spieler, ob die Bratwurmportion, die seinem erwürfelten Ergebnis entspricht, noch ausliegt. Falls ja, sackt er sie ein und legt sie offen vor sich ab. Hat er bereits eine Bratwurmportion vor sich liegen, legt er die neu erwürfelte offen oben drauf, so dass sich ein Stapel ergibt. Nun kann es natürlich sein, dass der Wert, den man sich mühselig zusammengewürfelt hat, nicht mehr ausliegt. Hat man also z.B. 25 erwürfelt und die ist schon im Besitz eines anderen Spielers, prüft man, ob dieser Stein momentan “offen” ausliegt (d.h. der oberste Stein eines Stapels ist. Falls ja, darf man diesen Stein nun klauen und auf seinen Stapel legen. Ist auch dies nicht der Fall, weil der 25er-Stein irgendwo unten in einem Stapel steckt, darf man, falls noch möglich, aus der Auslage einen niedrigeren Wert nehmen (in unserem Beispielfall also aus der Range 21 bis 24). Ist auch das nicht möglich, hat man schlicht Pech gehabt und trotz allen Bemühens einen Fehlwurf produziert.

Ein Fehlwurf ist es freilich auch, wenn man keinen Wurm beiseite legen konnte oder wollte bzw. man leichtsinnigerweise so lange weitergewürfelt hat, bis man nichts mehr beiseite legen konnte. In diesem Fall muss man, falls möglich, den obersten Stein seines Stapels zurück in die Auslage legen *und* den höchsten noch ausliegenden Stein umdrehen – er kann nun von keinem Spieler mehr erwürfelt werden (Ausnahme: der Stein, den man zur Strafe abgeben musste, ist nun der höchste in der Auslage. Dann darf er offen in der Auslage liegen bleiben und kann erneut erspielt werden).

Das Spiel läuft, die ersten Bratwürmer sind erbeutet, aber auch schon zwei Fehlwürfe produziert worden...

Das Spiel läuft, die ersten Bratwürmer sind erbeutet, aber auch schon zwei Fehlwürfe produziert worden…

Sobald alle Steine aus der Auslage entweder von den Spielern erbeutet oder umgedreht werden mussten, endet die Runde. Sieger ist der Spieler, dessen erspielte Steine die meisten Würmer aufweisen.

Dass es am Ende auf die Würmeranzahl ankommt, diktiert die Strategie – spielt man auf relativ niedrigem Risikoniveau und versucht die niedrigeren Bratwurmportionen abzugrasen (die halt schlicht leichter zu erwürfeln sind) oder greift man die kniffligen honen Werte an? Die “36” ist endabrechnungstechnich eben viermal soviel wert wie die “21”, aber dafür kann’s natürlich passieren, dass man viele Fehlwürfe produziert und nicht nur vielleicht schon erwürfelte Portionen abgeben, sondern auch hochwertige Portionen aus dem Spiel nehmen muss – ganz abgesehen davon, dass einem die Steinchen ja auch wieder geklaut werden können! Es kann sich daher also auch empfehlen, dass man, hat man mit Müh und Not gerade einen “Vierwürmer” ergattert, im nächsten Zug bewusst auf einen niedrigeren Wert zielt, um den “teuren” Stein zu schützen.

“Heckmeck am Bratwurmeck” erlaubt also für ein offensichtlich, da würfelbasiertes, zufallsgesteuertes Spiel einiges an taktischen Überlegungen und bringt noch die Kompontente des “Ärgerspiels” (etwas, das bei anderen Würfelorgien wie “Zombie Dice” oder “Martian Dice” eben wegfällt, weil man nur für seinen eigenen Score spielt) ins Gameplay. Wie gerne mal bei Knizia sind die Regeln nicht super-intuitiv, aber auch nicht wirklich schwierig – die Spielanleitung ist knapp und ein wenig unglücklich aufgebaut, aber wenn man sie zwei-dreimal gelesen hat, ist eigentlich alles an Unklarheiten beseitigt.

Das Spielmaterial ist trotz des geringen Preises erfreulich hochwertig – gerade die 16 “Bratwurmsteine” sind aus schwerem, geprägten Kunststoff, wie man sie eben auch aus “Rummikub” o.ä. kennt.

Insgesamt ist “Heckmeck” sicher nicht der großartigste Geniestreich, den sich der weise Doktor aus dem Ärmel geschüttelt hat, aber ein kurzweiliges kleines Familienspielchen mit überraschenden Finessen und der netten kleinen eingebauten Ärgerkomponente – und dank des geringen Preises auch ein schönes Mitbringsel. Wer ein Faible für launige, schnell gespielte Würfeleien hat, sollte das Spiel auf jeden Fall antesten. Einzig als Reisespiel eignen sich andere Würfelspiele wie eben “Zombie Dice” oder “Martian Dice”, die nicht mehr Platz brauchen als nötig ist, um einen Würfelbecher abzustellen, wegen des Platzbedarfs der Auslage besser.

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