Holmes 13

HOLMES 13
Autor: Hope S. Hwang
Publisher: Magpie
2-4 Spieler, ca. 15 min, 13 € (Messepreis)

Holmes 13 - Die Box

Holmes 13 – Die Box

Ich sagte es bereits (und wenn nicht in diesen Worten, dann sinngemäß) – auf der SPIEL sind meine “Lieblingsstände” nicht die der großen Industriegiganten wie Queen Games, wo man sich um Plätze an den Spieltischen prügeln muss, sondern die der kleinen, gerne internationalen Indie-Publisher, die gerade so viel Platz haben, dass sie neben dem Stapel ihrer zu vertickenden Games noch einen Tisch aufstellen können und man, mit Glück, das Spiel gleich vom Designer erklärt bekommt. Da lassen sich die *richtigen* Entdeckungen machen.

Eine dieser Entdeckungen war dieses Jahr der Stand des kleinen südkoreanischen (okay, die Unterscheidung ist vermutlich unnötig. In North Korea, Game Plays You) Publishers Magpie, der sich 2012 mit dem u.a. von AEG und Pegasus lizenzierten Mittelalter-Kartenspiel “Guildhall” einen recht guten Namen gemacht hat. “Guildhall”-Autor Hope S. Hwang hängt sich für sein neuestes Werk an den ohne Zweifel durch “Love Letter” ausgelösten Trend zu extrem reduzierten, minimalistischen Spielen an, die versuchen, mit wenig Material und simplen Regeln langanhaltenden Spielspaß zu schaffen.

Die Story des Spiels orientiert sich an den Werken von, große Überraschung, Sir Arthur Conan Doyle und Maurice Leblanc, dem französischen Kriminalautoren und Erfinder von Arsene Lupin, dem Meisterdieb. Und genau um den dreht sich’s – wie es auch sein Erfinder immer wollte (aber von Spaßbremse Doyle daran gehindert wurde, weswegen Lupin sich in seinen literarischen Eskapaden gerne mal mit einem britischen Meisterdetektiv namens Herlock Sholmes herumschlägt), hat Lupin es darauf abgesehen, Sherlock Holmes zu foppen. Darum hat er angekündigt, in London einen Raub zu begehen und das, wie einem Meister der Verkleidung angemessen, in der Gestalt einer Figur aus dem Holmes-Kanon. Welche genau, nun, das herauszufinden ist Aufgabe der Spieler.

Das Material im Überblick

Das Material im Überblick

“Holmes 13” besteht aus 13 Charakterkarten von Sherlock Holmes himself über Professor Moriarty bis hin zu Inspektor Lestrade, vier Sichtschirmen und einem Block zum Vermerken der Hinweise. Eine Karte wird nun zufällig und verdeckt abgesondert – dieser Charakter ist derjenige, in dessen Maske Lupin den Raubzug zu vollziehen gedenkt. Die restlichen Karten werden (natürlich ebenso verdeckt) gleichmäßig an die teilnehmenden Spieler verteilt (6 bei 2 Spielern, 4 bei 3 Spielern, 3 bei 4 Spielern. Soweit, so nicht ganz unlogisch). Die Spieler müssen nun auskombinieren, welche Charaktere als “Täter” nicht in Frage kommen.

Wie geht das nun? Jede Charakterkarte hat zwei oder drei Symbole, die die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe abbilden – die Figur kann zur “Polizei” gehören, “weiblich” sein, einer von Holmes’ “Klienten”, einer seiner “Gehilfen” oder auch “dumm” (Lestrade z.B. ist “Polizist”, “Klient” und “dumm”, Moriarty fällt in die Kategorien “Rivale” und “Genie”. Insgesamt gibt es acht dieser Kategorien. Der Spieler, der am Zug ist, hat genau zwei Optionen. Er kann in die Runde fragen, welche/r andere/n Spieler ein bestimmtes Symbol in ihren Handkarten haben (worauf diese wahrheitsgemäß mit Handzeichen oder Wortmeldung antworten müssen), oder er kann einen bestimmten Spieler fragen, wieviele Symbole einer bestimmten Kategorie er in seinen Handkarten hält (auch hierauf hat der Gefragte natürlich akkurat zu antworten). Mit diesen Informationen – und natürlich den Hinweisen, die er selbst auf der Hand hält – können nun bestimmte Gruppen und Personen ausgeschlossen werden können. Wer z.B. auf die Frage, ob andere Spieler “Frauen” halten, zwei Rückmeldungen bekommt, und die dritte Frau selbst hält, kann schon mal drei Verdächtige von seiner Liste streichen. Nach diesem Prinzip eliminiert man nach und nach die Charaktere, bis, so der Gott der tapferen Investigatoren will, nur noch einer übrig bleibt.

Die notwendigen Notizen macht man sich auf dem zweiteiligen Block – in der oberen Blatthälfte kann man die Spielernamen und die Verteilung der Symbole notieren, darunter sind die dreizehn Charaktere und ihre Symbole aufgeführt, die man dann dort gemütlich wegstreichen kann. Die Antworten auf die Fragen, stehen selbstverständlich allen Spielern zur Verfügung und können für die eigenen Ermittlungen genutzt werden.

Eine Auswahl Charakterkarten (Unschärfe bitte ich zu entschuldigen, meine Kamera hat mit Hochglanzkarten so ihre Probleme...)

Eine Auswahl Charakterkarten (Unschärfe bitte ich zu entschuldigen, meine Kamera hat mit Hochglanzkarten so ihre Probleme…)

Wir erkennen also, dass “Holmes 13” einerseits natürlich wieder, wie so viele Deduktionsspiele, im Grunde seines Herzens auf “Cluedo” basiert, es aber extrem reduziert und mit allgemein offenen Informationen hantiert, und sich andererseits dadurch vom Deduktions-“Spiel” stark in Richtung Logikpuzzle bewegt. Wenn man so will, kratzt “Holmes 13” praktisch komplett die spielerische Komponente vom “Cluedo”-Prinzip ab und lässt nur das pure abstrakte mathematische Problem übrig; darüber muss man sich im Klaren sein, da ist das Spiel wahrscheinlich näher an den guten alten Logik-Trainern aus dem “P.M.”-Magazin – einigermaßen gleichstarke Spieler vorausgesetzt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass diese ungefähr gleichzeitig auf die Lösung kommen und daher die Zugreihenfolge über den Gewinner entscheidet. Da das Spiel allerdings extrem schnell ist (die vom Verlag geschätzten 15 Minuten dürften schon das absolute Maximum sein), können problemlos mehrere Runden gespielt werden, um etwaige Startspielervorteile auszugleichen.

Auch wenn eine Spielerzahl von 2 bis 4 angegeben wird, würde ich dazu raten, mindestens mit drei Spielern zu spielen – beim Zweierspiel ist es ziemlich sinnfrei, die allgemeine Frage  zu stellen, da kann man gleich mit der Tür ins Haus fallen und  dem Gegenspieler die quantitative Frage um die Ohren hauen.

Das Spielmaterial ist sehr hübsch – die Sichtschirme, hinter denen man seinen Notizzettel verbirgt, haben auf der Spielerseite eine zusätzliche Übersicht über die Charaktere und die jeweils dazugehörigen Symbole, die Charakterkarten befleißigen sich eines angemessen viktorianisch wirkenden Zeichenstils, die Hinweiszettel sind recht übersichtlich (man könnte sich wünschen, dass man in der oberen Hälfte, in der man die Symbole pro Spieler vermerkt, ein zusätzliches “Ja/Nein”-Kästchen hätte, aber man kann’s auch so gut verwenden) und einen glatten Bonuspunkt verleihe ich für die Entscheidung, gleich vier ziemlich hochwertig aussehende Kugelschreiber beizufügen.

“Holmes 13” kann als *Spiel* (sofern man “Spiel” nicht nur als reine Problemlösung, sondern auch mit physisch-haptischen Elementen und Interaktion definiert) sicher nicht mit “P.I.”, meinem derzeitigen Lieblingsdeduktionsspiel, mithalten (dort ist über die Auslage der Hinweiskarten ein Randomisierungsfaktor eingebaut, der “Holmes 13” völlig fehlt), ist aber als kleines schnelles Logikrätsel mehr als nur einen Blick wert. Da die Sichtschirme nicht zwingend notwendig sind (man kann ja seinen Notizzettel auch anderweitig vor unbereichtigter Einsichtnahme verbergen), eignet sich das Spiel auch gut als unaufwendiges Reisespiel. Freunde der gepflegten Sherlock-Holmes-Lore sollten, auch wenn das Gameplay an und für sich recht trocken ist, aufgrund des gut getroffenen Themes einen oder drei Blicke drauf werfen…

dice6dice2

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