Geek Dice

GEEK DICE
Autor: N.A.
Publisher: Alien Labs
2-5 Spieler, 20-40 min, ca. 20 € (Import, inkl. Versand)

Geek Dice - Die Box

Geek Dice – Die Box

Reden wir mal kurz über Kickstarter. Der Sinn von Kickstarter ist es, dass Leute, die eine gute Idee haben (bzw. meinen, eine solche zu haben), denen aber das Kapital fehlt, selbige umzusetzen, im virtuellen Raum um Spenden bitten, damit die Idee realisiert werden kann. Prinzipiell lässt sich das für jede Art von Produkt nutzen und natürlich haben auch Kulturschaffende das Potential des Crowdfunding erkannt – der anstehende “Veronica Mars”-Film wurde ebenso über Kickstarter finanziert wie Zach Braffs neuestes filmisches Opus, für Independent-Bands ist es eine gute Möglichkeit, ohne Support eines Labels Plattenaufnahmen gestemmt zu bekommen und selbstredend haben auch Spieleautoren die Chance ergriffen, ihre Ideen auf diese Art und Weise zu verwirklichen. Natürlich hat sich der Grundgedanke hinter Kickstarter mittlerweile verselbständigt – nicht mehr nur kapitalarme Einzelkämpfer nutzen die Plattform, sondern auch renommierte Publisher wie Tasty Minstrel Game oder Queen Games jagen ihre Neuerscheinungen mittlerweile grundsätzlich erst mal über Kickstarter – das kann man als outgesourcetes Vorbestellsystem werten (wenn man kritisch ist) oder als Test, ob die Produkte einen gewissen Massen-Appeal haben, aber natürlich darf man sich schon fragen, ob die Abwälzung unternehmerischen Risikos auf den Konsumenten den “spirit” Kickstarters erfüllt (genauso darf man sich natürlich fragen, ob ein TV-Star wie Zach Braff es nötig haben sollte, seine Fans anzubetteln, um ein neues Projekt auf die Beine zu stellen). Und vom Hype um Miniaturenspiele (die Szene ist ja bekanntlich *noch* seltsamer als es die Spieleszene an und für sich ist) wollen wir gar nicht reden – biete ein Rudel schicker Miniaturen an und ertinke vermutlich in Geld, denn ob hinter den schönen Minis auch noch ein halbwegs brauchbares Spiel steckt, interessiert den stolzen Mini-Gamer meist herzlich wenig (und ebenso selbstverständlich kann man auf Kickstarter auch Betrügern, Halsabschneidern und heillos überforderten Idealisten auf den Leim gehen).

Womit gesagt sein soll, dass ich Kickstarter mit einem lachenden und einem weinenden Auge gegenüber – ein zusätzlicher Publikationskanal für ambitionierte Autoren ist immer eine gute Sache, aber der zunehmende Anteil von rein kommerziellen “Anbietern” kann abschrecken (was mich selbstredend nicht daran gehindert hat, sowohl Spiele von Tasty Minstrel Games als auch von Queen Games bereits mitfinanziert zu haben).

Seitenansicht der Box

Seitenansicht der Box

“Mein” erster Kickstarter war “Geek Dice” und der entsprang meinerseits nicht unbedingt dem Gedanken, dass ich mein ganzes Leben auf dieses Spiel gewartet hätte, sondern weil ich dem Fall wirklich eine freakige Idee unterstützen wollte. “Geek Dice” basiert auf “Stein Schere Papier Echse Spock”, seines Zeichens eine “Erweiterung” des klassischen “Stein Schere Papier”-Ausknobelspiels, das von einem Burschen namens Sam Kass, dem es etwas auf die Nerven ging, dass die normale Knobelei viel zu oft unentschieden ausgeht, um die Elemente “Echse” (symbolisiert durch eine Handbewegung, die ein offenes Echsenmaul darstellt) und “Spock” (symbolisiert durch die “live-long-and-prosper”-Geste) ergänzt wurde. Die Echse frißt dabei Papier und vergiftet Spock, wird vom Stein erschlagen und von der Schere zerschnitten; Spock seinerseits zertrümmert den Felsen und zerstört die Schere, wird aber, wie gesagt, von der Echse vergiftet und vom Papier widerlegt.

Dieses kleine Spielchen fand dann irgendwie seinen Weg zu den Schreiberlingen der Nerd-Sitcom “The Big Bang Theory” und wurde dort als Sheldons und Leonards bevorzugte Methode zur Entscheidungsfindung etabliert. Und von da aus war es dann nur noch ein kleiner Schritt zum Einfall, eine “Heimversion” des Spiels anzubieten.

Stellt sich nur noch die Frage – wozu braucht man etwas Kaufbares für ein Spiel, für das man eigentlich nur die eigenen Hände (und da nur eine pro Nase) braucht? Nun, streng genommen natürlich zu gar nichts (außer vielleicht eine Übersichtskarte über die verschiedenen Resultate, das wird bei fünf Optionen nämlich doch ein wenig unübersichtlich), aber bei Alien Lab verfiel man auf den Gedanken, ein Würfelspiel draus zu machen.

What you get...

What you get…

Und so hat man nun, erwirbt man “Geek Dice” fünf Spezialwürfel, einen pro teilnehmenden Spieler, auf denen sich jeweils die fünf Symbole plus ein zusätzliche “Atom”-Symbol befinden. Des weiteren erhält man 150 Chips, von denen jeder Spieler 30 erhält. Jeder Spieler zahlt nun einen Chip in den Topf, dann wird gleichzeitig gewürfelt. Nun wird überprüft, ob ein Unentschieden vorliegt (zwei oder mehr Spieler schlagen einen anderen, werden aber von einem wiederum anderen Spieler geschlagen, oder mehrere Spieler würfeln das gleiche Symbol) oder ein Spieler klar gewonnen hat (weil sein Würfelergebnis alle anderen besiegt). Das Atom ist in diesem Fall eine Niete, wer es gewürfelt hat, ist ausgeschieden. Bei Unentschieden spielen die verbliebenen Spieler weiter, bis es einen eindeutigen Rundengewinner gibt. Der bekommt allerdings nicht den Topf, sondern muss einen weiteren Wurf ausführen. Würfelt er *jetzt* das Atom, gewinnt er den Topf, falls nicht, bleibt der Topf bestehen und wird um die neuen Einsätze der nächsten Runde erhöht. Das kann man nun wahlweise so lange spielen, bis nur noch ein Spieler alle Chips an sich gerissen hat (was ich nicht empfehlen würde), oder bis ein Spieler seine Chips komplett verloren hat oder über eine vorgewählte Rundenanzahl.

Das ist es dann auch schon – wie man sieht, ist “Geek Dice” “not much of a game”, wie der Anglophile sagen würde. So komisch das klingen mag, “Geek Dice” fehlt die taktisch-psychologische “Tiefe” des reinen Hand-Spiels (es gibt tatsächlich Statistiken, nach denen “Stein” mit der größten Wahrscheinlichkeit einen Sieg bringt, weil angeblich “Papier” die am wenigsten genutzte Option ist und “Stein” nun mal “Schere” schlägt. Außerdem wird kolportiert, dass es sehr erfolgversprechend ist, die Option zu wählen, die die in der letzten Runde siegreiche Option geschlagen hat, weil die menschliche Psychologie so verdrahtet ist, dass die meisten Verlierer in der nächsten Runde das Symbol wählen, das zuletzt gewonnen hat), es ist halt eine reine Glücks-Würfelei und nutzt sich, frei von irgendwelchen Varianten oder Entscheidungen, die man treffen kann, naturgemäß rasch ab (man spielt ja vermutlich auch nicht fünfzigmal hintereinander “Kopf oder Zahl”, außer, man führt wirklich mathematisch-statistische Feldstudien zum Thema durch). Aber vermutlich sind die Publisher von Alien Lab die ersten, die enthusiastisch beipflichten würden, dass man “Geek Dice” nicht als abendfüllendes Gesellschaftsspiel einsetzen sollte (und damit ebensowenig Würfelquickies wie “Zombie Dice” & Co. ersetzen kann).

Ein detaillierter Blick auf die Würfel - feel geekier already?

Ein detaillierter Blick auf die Würfel – feel geekier already?

Was nicht heißt, dass “Geek Dice” unnütz wäre – selbstverständlich kann man das Spiel prima, wie in “The Big Bang Theory”, verwenden, um irgendwelche Dinge auszuknobeln (wer zahlt die nächste Runde in der Kneipe? Welchen Fernsehsender schalten wir heute ein?), es eignet sich exzellent dafür, um für größere Spiele den Startspieler auszuwürfeln, und selbstverständlich kann man sich Hausregeln dafür ausdenken – bereits bekannte Vorschläge sind, auf den “Topf-Wurf” zu verzichten und dem Sieger einer Runde automatisch den Topf zuzuweisen (was die Sache natürlich beschleunigt, andererseits aber die Befriedigung, einen großen Topf zu gewinnen, ausschaltet) oder nicht zu würfeln, sondern sich geheim ein Symbol auszusuchen und gemeinsam aufzudecken (was quasi der “klassischen” Version entspricht, nur dass man keinen Knoten in den Fingern bekommt). Die Einsatzmöglichkeiten der Würfel sind nur von der Fantasie der Benutzer begrenzt…

Das ist dann wohl auch der Hauptsinn- und -zweck des ganzen Arrangements – die Geekwürfel sind am ehesten als witzige “novelty dice” zu sehen, die einfach nur die Sammlung zieren oder für die man sich eigene Verwendungen einfallen lässt. Für’s Geld erhält der geneigte Kunde eine sehr schön gestaltete “Buchbox” mit Magnetverschluss, eine Übersichtskarte über die möglichen Kombinationen (die auch noch in die Box selbst gedruckt ist, damit zwei Spieler nachschlagen können), die 150 einfachen roten Chips und die fünf exzellenten, schweren Sechsseiter, für die offenkundig erstklassiges Material verwendet wurde.

“Brauchen” wird man “Geek Dice” sicherlich nicht – aber die hochwertigen Spezialwürfel und die schicke Blickfang-Verpackung machen das Set sicher zu einem netten Sammlerstück und Präsent für Geeks, Nerds und “Big Bang Theory”-Fans.

“Geek Dice” ist derzeit nur direkt vom Publisher (http ://www.alienlab.com) zu beziehen.

dice6dice1

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: