Dino Hunt Dice / Trophy Buck

DINO HUNT DICE / TROPHY BUCK
Autor: Steve Jackson
Verlag: Steve Jackson Games
ab 2 Spieler, ca. 10-20 min, ca. 10-15 €

Ich erwähnte “Zombie Dice”. Mehrfach. Es gibt, speziell mit der Erweiterung, derzeit nicht viel bessere, lustigere, unkompliziertere Partyspiele als “Zombie Dice”. Wie auch schon gesagt, diente “Zombie Dice” auch als Vorbild für mehrere spin-off-, Nachzieher- und Imitatorenspiele. “Martian Dice” verpasste dem Konzept eine taktische Note, z.B. Nun sind Zombiespiele nicht oder wenigstens nicht immer die Sorte Spiel, die man zum Kindergeburtstag mitbringen sollte (es soll zumindest Eltern geben, die das nicht so knorke finden) – Steve Jackson möchte natürlich auch an Kindergeburtstagen (oder anderweitigen Anlässen, bei denen sich puritanische Mitwirkende durch hirnfressende Untote belästigt fühlen könnten) Geld verdienen. Deswegen gibt’s “re-themes” der Zombie-Dice-Mechanik. Zwei davon stehen bei mir im Regal und weil sie sich im Gameplay jetzt nicht großartig von den klassischen Zombiewürfeln unterscheiden, frühstücke ich sie unverschämterweise in einem Review ab.

Dino Hunt Dice - Der Becher

Dino Hunt Dice – Der Becher

“Dino Hunt Dice” ist die klassische familienfreundliche Variante (obwohl man sich damit jetzt wieder natürlich bei gottesfürchtigen Bibelwerfern, die Evolution für eine ansteckende und direkt in die Hölle führende Krankheit halten, in die Nesseln setzt). Hier sind wir kein Untoter auf der Jagd nach frischem Menschenhirn, sondern tapferer Forscher, der – wo auch immer, es ist nicht so, als ob Steve Jackson sich für seine Pocket-Games großartige Backstories einfallen lassen würde – Dinosaurier fangen will (duh). Drei Sorten Dinos gibt’s (entsprechend den drei unterschiedlichen Würfelfarben bzw. Kniffligkeitsstufen): die relativ harmlosen Apatosaurier, die mittelmäßig aggressiven Triceratops, und die bösartigen T-Rexe. Insgesamt gibt’s 10 Dino-Würfel – wie gehabt nimmt man zufällig drei Würfel und kuckt, ob man Saurier erwürfelt hat. Diese legt man beiseite, ebenso wie Fußtritte (wenn man vom Dino getreten wurde). Blätter bedeuten, dass der Dino sich versteckt hat und der Würfel neu gewürfelt werden kann. Man zieht wieder auf drei Würfel nach und so geht’s weiter, bis man entweder dreimal getreten wurde (und dann bei null Punkten rauskommt) oder für den eigenen Geschmack genügend Punkte gesammelt hat. Bei Apatosauriernwürfeln finden sich auf dem jeweiligen Würfel drei Dinos, zwei Blätter und ei Fußtritt, die Triceratops verteilen 2:2:2, bei den T-Rex gibt’s nur einen Dino, zwei Blätter, aber drei Fußtritte. Wenn ein Spieler 20 Dinos gesammelt hat, wird die Runde fertiggespielt, der mit den meisten Dinos gewinnt.

Die Dino-Würfel

Die Dino-Würfel

Gameplaytechnisch gibt’s nur einen wirklichen Unterschied zu den “Zombie Würfeln” – hat man keine Würfel mehr im Becher, darf man nicht, wie bei den Zombies, quasi noch mal von vorn anfangen, sondern beendet seinen Zug, in dem man die zuletzt gewürfelten Blätter auf eine Dinoseite dreht und dann wertet (ich nehem an, da sich “Dino Hunt Dice” an jüngeres Publikum richtet, will man den kompetetiven Gedanken etwas stärken und verhindern, dass ein Spieler in einem Zug gewinnt, was bei “Zombie Dice” durchaus im Bereich des Machbaren liegt).
Was gefällt, ist das Artwork – die drei Würfelarten sind wirklich dezidiert unterschiedlich gestaltet, jeder Dino hat sein eigenes Design und seinen eigenen “Fußabdruck”.  Da sich “Dino Hunt Dice” aber tatsächlich beinahe identisch zu “Zombie Dice” spielt, braucht man das Spiel wirklich nur, falls man auf seinen Würfelfix nicht verzichten kann, aber eben ab und zu dort spielen muss, wo Zombies, aus welchen Gründen auch immer, nicht gut ankommen…

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Trophy Buck - die schicke Camouflage-Tasche

Trophy Buck – die schicke Camouflage-Tasche

“Trophy Buck” hingegen dürfte speziell bei PETA-Mitgliedern außerordentlich, ähm, beliebt sein, denn hier geht’s darum, Rotwild des Geweihs wegen totzuschießen. Jau, das Spiel richtet sich an Jäger und kommt daher auch nicht im Becher, sondern im praktischen wasserdichten outdoor-Camouflage-Beutel. Grundsätzlich funktioniert auch “Trophy Buck” mit der bewährten Mechanik. Von den hier 12 Würfeln werden blind drei gezogen und gewürfelt. Man kann “treffen”, “verscheuchen” oder “Spuren finden”. Treffer legt man, wie gewohnt, beseite, ebenso die “Verscheucher”, “Spuren” dürfen, nachdem man wieder auf drei Würfel nachgezogen hat, neu gewürfelt werden. Mit dem dritten Verscheucher endet der Zug bei null Punkten.  Neu ist allerdings, dass es *vier* Würfelklassen gibt und die punktetechnisch nicht gleichwertig sind (wie’s bei Zombies und Dinos, wo jeder Dino bzw. jedes Hirn eben stur einen Punkt ergab, maximal zwei bei den Doppelhirnen aus der Zombie-Dice-Erweiterung) – die einfachen rosa Würfel, von denen es fünf gibt,  ergeben 2 Punkte (es sind im Spielsinne “Zweiender”, geweihtechnisch), die weißen, vier an der Zahl,  4,  die grünen (davon gibt’s zwei) 6 Punkte und der einsame orange Würfel satte 8 Zähler (weil stolzer Achtender).  Wie nicht ander zu erwarten – je “wertiger” der Würfel, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, damit Punkte zu erwürfeln.
Das hat zwei Auswirkungen – zum einen werden die Spiele deutlich höher “bepunktet” (man braucht dann auch 36 zum Sieg (bzw. zum Spielende, denn wie üblich in der Serie wird die aktuelle Runde fertiggespielt und der Spieler mit den meisten Punkten zum Sieger erklärt), theoretisch sind aber in einem Zug über 50 Punkte zu machen), zum anderen lohnt es sich, taktischer zu spielen – wer schon 8+6+6 Punkte herausgewürfelt hat, wird selbst, wenn er erst einen “Verscheucher” hat, überlegen, ob er für den überschaubaren möglichen Punktgewinn die bereits erreichten dicken Zähler auf’s Spiel setzt; ein mieser Wurf mit zwei oder gar drei Verscheuchern kann hier richtig doll weh tun.  Hier darf man, hat man den kompletten Würfelvorrat in einem Zug aufgebraucht, wieder mit allen Würfeln neu beginnen.

Die Rotwild-Würfel

Die Rotwild-Würfel

“Trophy Buck” hat sich interessanterweise in meiner Runde zur meistgespielten Variante entwickelt – mag daran liegen, dass man mehr Punkte erwürfelt und das vielleicht gefühlt mehr Spaß macht als das 1+1+1+1+1-Addieren von “Zombie Dice”. Oder meine Runde besteht ausschließlich aus wild herumballernden Jägern… (wobei gesagt werden sollte: wer ein Problem damit hat, ein Würfelspiel zu spielen, in dem fiktiv auf Hirsche geschossen wird, aber mit einem anderen Würfelspiel, bei dem impliziert wird, Menschen würde das Gehirn rausgerissen, um es zu fressen, keine Einwände erhebt, sollte mal seine Prioritäten justieren). Jedenfalls scheint “Trophy Buck” eine Berechtigung zu haben, im Spieleregal trotz des ähnlichen Spielprinzips neben “Zombie Dice” und “Martian Dice” zu stehen.

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Wer jetzt händeringend auf eine “entweder-oder”-Empfehlung wartet – “Zombie Dice” inklusive Erweiterung ist meines Erachtens das Nonplusultra, aber man darf alle drei kaufen. Wie “Martian Dice” und die “Zombie Dice”-Erweiterung sind “Dino Hunt Dice” und “Trophy Buck” nur auf dem Importweg erhältlich, dennoch aber erschwinglich.

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