Quick

QUICK
Autor: Günter Burkhardt
Publisher: Kosmos
2-6 Spieler, ca. 30 min, ca. 6 €

Quick - Die Box

Quick – Die Box

Jeder Publisher, der was auf sich hält, hat mittlerweile ja auch eine Produktlinie für schnelle, unkomplizierte Kartenspiele – schlimmstenfalls wird dort irgendein Franchise dritt- bis fünftverwurstet (siehe “Keltis”, “Catan”, “Einfach genial”, “Ubongo” usw. Wundert mich direkt, dass es bis heute kein “Carcassonne”-schnelles-Kartenspiel gibt [ich werde unterrichtet: es gibt eins. Ist bisher an mir vorbeigegangen. Wird sich ändern, schätze ich]), aber ab und an gibt’s dort auch Exklusiva, so z.B. “Quick” von Günter Burkhardt, das mich, als ich die Produktbeschreibung bei amazon (ja, ich kaufe auch mal blind bei amazon. Verklagt mich) mit einem auf den ersten Blick pfiffigen Gimmick faszinierte.

“Quick” ist ein Sortierspiel – jeder Spieler erhält fünf Karten auf die Hand und muss diese nach gewissen Kriterien sortieren. Jede Karte hat eine Zahl, einen Buchstaben, eine Farbe ud eine “Flamme”. Sortierkriterien sind z.B. die Karten in die richtige Zahlenreihenfolge, in eine vorgegeben Farbreihenfolge oder in eine Reihenfolge nach Größe und “Armanzahl” der aufgezeichneten Flamme zu bringen (das mit Abstand kniffligste Kriterium). Diese Kriterien können auch miteinander kombiniert werden (z.B. erstes Sortierkriterium Buchstabe, zweites Kriterium Farbe, drittes Kriterium Zahl. Die Zahl muss immer das letzte Sortierkriterium bleiben, da es das einzige ist, das definitiv bei allen Karten unterschiedlich ist). Der Gag bzw. das erwähnte Gimmick: man darf nur mit einer Hand arbeiten und immer nur eine Karte in selbige nehmen! Wie man sich denken kann, ist das speziell beim Sortierkriterium “Flamme”, bei dem die Unterschiede zwischen den verschiedenen Ausprägungen wirklich marginal sind, ziemlich giftig – man kann die Flammen oft fast nicht unterscheiden, wenn die Karten aufgedeckt nebeneinander liegen und jetzt soll man sich den Kram *merken*? Kein Wunder, dass dieses Kriterium in meiner Runde ausgesprochen unpopulär war…

Die Komponenten

Die Komponenten

Sortiert wird, bis auch der letzte Kantonist fertig ist – der schnellste darf seinen zusammensortierten Stapel als erster aufdecken. Liegt er richtig, erhält er zur Belohnung einen Chip. Hat er einen Fehler gemacht, darf der Zweitschnellste aufdecken und im Fall des Falles einen Chip greifen. Generell gibt es immer zwei Chips weniger zu gewinnen als Spieler teilnehmen – in einer Dreierrunde kann also nur der schnellste korrekte Sortierer einen Chip gewinnen, in einer Sechserrunde dürfen also maximal vier richtige Sortierer die Belohnung einstreichen. Wer sechs Chips gesammelt hat, ist Gewinner. Allerdings ist so ein Chip nicht nur Belohnung, sondern auch Strafe – pro Chip erhält der Spieler im nächsten Durchgang eine Karte mehr (d.h. wer vier Chips besitzt, muss schon neun Karten sortieren) – damit wird auch den langsameren Spielern eine Aufholmöglichkeit geboten. Der Mechanismus funktionierte in meiner Runde ziemlich gut, weniger als vier Chips hatte bei Spielende keiner.

Dieweil das “Einhand”-Limit recht spaßig ist (wer keinen Fetisch-Shop in der Nähe hat und daher nicht jeweils eine Hand der Mitspieler an die Heizung ketten kann, sollte darauf bestehen, dass die Damen und Herren sich auf ihre überzähligen Extremitäten setzen. Idealerweise auf die eigenen, ansonsten könnte es da und dort ein Nach-Spiel geben, har-har), kristallisiert sich eins schnell heraus – da ein Spiel selbst bei nur drei Spielern schon über 13-14 Runden laufen kann, laufen sich die diversen Sortierkriterien recht schnell tot (zumal es auch keine Vorgabe gibt, wie man sie einsetzen soll. Wir haben uns darauf verständigt, dass der Kartengeber die Kriterien festlegt), ganz besonders, wenn die Gruppe eine Abneigung gegen das Flammen-Kriterium hat. Hier fehlt Abwechslung – elementare Optionen wie “Zahlen von hoch nach niedrig” oder “Alphabet von Z bis A” sollten eigentlich Standard sen. Klar, es ist relativ einfach, sich entsprechende Kriterienkarten selbst zu basteln, aber ich stehe auf dem Standpunkt, dass es nicht die Aufgabe des Spieler sein kann und darf, ein Spiel in einen Zustand zu versetzen, der wenigstens mittelfristig Spielspaß gewährleistet (und es wird eh schon schwieriger, wenn man das Farbkriterium verändern will. “Quick” liefert genau EINE Farbtabelle, nach der sortiert werden kann, mit. Und das ist schon schwerer mit Hausmitteln zu korrigieren).

Die Aufgaben

Die Aufgaben (Z-A gibt’s eigentlich nicht, ich hab nur die Karte falschrum ausgelegt. Ist natürlich auch eine billige Möglichkeit, eine zusätzliche Sortiervariante reinzubringn, aber explizit so nicht von den Regeln vorgesehen).

Die Kartengestaltung ist pragmatisch-einfach und relativ übersichtlich (für ein Sortierspiel unabdingbar), die Karten selbst allerdings sind frickelig klein – da Kosmos normalerweise auch Standardkarten in seine Standardkartenspielschachtel packt (siehe “Keltis”, “Ubongo” etc.) und “Quick” mit seinem 83-Karten-Deck jetzt auch nicht gerade derartige Unmengen von Karten verlangt, dass Normalgröße nicht machbar gewesen wäre, kann ich diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Das Hantieren mit diesen Minifuzzikarten macht jedenfalls keinen großen Spaß.

Damit wären wir dann auch schon bei der großen abschließenden Bewertung – “Quick” macht, des potentiell witzigen Einhandgimmicks zum Trotz, keinen großen Spaß. Das Spiel bemüht sich um Fairness durch den eingebauten catch-up-Mechanismus, aber es ist zu eindimensional, zu langweilig – sicher kann man sich Varianten “houserulen”, aber wie gesagt, ich halte es als Spieler nicht für meine Aufgabe, Versäumnisse des Autoren nachzuholen, um ein wiederspielbares Spiel herzustellen.  In der 6-Euro-Preisklasse ist die Konkurrenz viel zu zahlreich und viel zu unterhaltsam, als um Zeit und Geld an ein Spiel zu verschwenden, das man nur ein oder zweimal auftischen wird…

dice5dice0

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