Keltis: Das kleine Spiel

KELTIS: DAS KLEINE SPIEL
Autor: Reiner Knizia
Publisher: Kosmos
2-4 Spieler, 10-15 min, ca. 6 €

Keltis: Das kleine Spiel - Die Box

Keltis: Das kleine Spiel – Die Box

In unserer beliebten Sendereihe “Keltis Keltis und sonst gar nix” kommen wir zum vierten (und bestimmt noch nicht letzten) Teil – nach Brett-, Karten- und Würfelspiel möchten Dr. Knizia und Kosmos uns nun auch noch das “das kleine Spiel” ans Herz legen (wobei das “klein” eine Benennungskrücke ist, formal nennt sich das Spiel exakt wie sein großer Brettspielbruder “Keltis – Der Weg der Steine”).

Womit, wenn nicht mit Spielsteinen, Würfeln oder Karten kann man denn nun noch im Keltis-Sinne hantieren? Nun, der geneigte Spieler entnimmt der Schachtel 55 ungefähr 2-Euro-Stück-große Papp-Plättchen in fünf Farben mit Werten von 0 bis 10 (womit der clevere Leser sich bereits an seinen Fingern und Zehen ausgerechnet hat: es gibt jede Farb-Wert-Kombination genau einmal). Im klassischen Keltis-Stil soll der werte Spieler nun wieder auf- oder abwärts nach Wertigkeit sortierte Reihen basteln. Zu Beginn werden alle 55 Plättchen verdeckt auf dem Tisch gemischt und in Reichweite aller Spieler deponiert. Wer am Zug ist, deckt ein Plättchen auf und kann nun entscheiden, ob er es aufnehmen oder offen liegen lassen will. Nimmt er es, muss er es sofort in eine seiner Reihen legen (oder halt eine neue Reihe starten, wobei Keltis-üblich pro Farbe nur eine Reihe gebildet werden kann, so dass die Empfehlung, mit möglichst hohen bzw. niedrigen Werten zu starten und sich dann in die jeweilige Gegenrichtung vorzuarbeiten, bestehen bleibt). Der nächste Spieler kann nun entweder ein weiteres Plättchen aufdecken oder statt dessen eines der bereits aufgedeckten, aber nicht genommenen Plättchen einsacken. Wie bewährt bringt eine Plättchenreihe erst ab einer gewissen Länge Pluspunkte, und auch das “kleine” Spiel kommt nicht ohne die Bonus- und Sonderfunktionen aus, die wir so oder ähnlich auch aus den Geschwistern der Familie von und zu Keltis kennen…

Ein irischer Plättchen-Steingarten...

Ein irischer Plättchen-Steingarten…

Einige Plättchen haben ein Wunschstein-Symbol. Bekanntermaßen gilt es in jedem Keltis-Spiel, Wunschsteine in ausreichender Anzahl zu besitzen,, um sich keine Minus-, sondern wertvolle Pluspunkte einzufangen; andere Plättchen bringen direkt 1 oder 3 Sonder-Siegpunkte. Das Kleeblatt-Symbol erlaubt dem Spieler, der ein solchermaßen markiertes Plättchen in seine Auslage legt (merke: nicht demjenigen, der es aufdeckt!) einen sofortigen Bonus-Zug. Sobald alle Plättchen aufgedeckt sind, endet das Spiel, die Toten, äh, Punkte werden gezählt usw. usf.

Selbstverständlich kann “Keltis” in dieser Variante kein besonders tiefsinniges Spiel sein, in dem man die Konsequenzen seines Tuns über fünf Züge vorherberechnen kann und muss, aber für ein simples “ich dreh nach dem Zufallsprinzip das Ding um und überleg mir, ob ich’s brauchen kann oder nicht”-Spiel kommt überraschend viel Frohsinn und, ta-daa, “Keltis”-Feeling auf. Noch mehr als in den anderen Keltis-Spielen ist die Überlegung, welche Farbreihen man überhaupt eröffnet, von enormer Bedeutung – schließlich ist jeder Wert nur einmal vorhanden, mehr als zwei Spieler können also eigentlich gar nicht mit einigermaßen brauchbaren Erfolgsaussichten die gleiche Farbe beackern, andernfalls will man natürlich den Rivalen nicht kampflos eine hohe Punktzahl überlassen. Ebenso will wohlbedacht sein, ob man das Risiko eingeht, ein Plättchen, das einem gerade wegen einer potentiell großen Lücke nicht hundertprozentig in den Kram passt, wirklich offen liegen lässt, wo ein fieser Gegner es sich schnappen kann, bevor man zwei-drei Züge später hoffentlich in einer Situation ist, das Teil gewinnbringend nutzen zu können. Es ist also ein bisschen “push your luck” mit kurzfristigen Taktikelementen – bestimmt nicht Schach oder auch nur Dame, aber bei einer Spielzeit von vielleicht fünfzehn Minuten bei drei Spielern braucht’s das auch nicht zu sein.

Die Auslage eines Spielers und die Punktetafel

Die Auslage eines Spielers und die Punktetafel

Das “kleine” Spiel ist sicherlich auch ein simples Spiel, keine Frage, aber es ist eine weitere unterhaltsame Variante der grundlegenden Rauf-Runter-Mechanik. Wieviel “mileage” ein Autor wie Knizia, der sich nie zu schade dafür ist, das gleiche Spielprinzip mehrfach auszubeuten (“Keltis” selbst basiert ja wiederum auf dem Zwei-Spieler-Kartenspiel “Lost Cities” – in den Staaten wird das “Keltis”-Brettspiel sogar mit “Lost Cities”-Branding verkauft), aus der im Prinzip gleichen Mechanik herausholen kann, ist beeindruckend – und obschon, wie gesagt, das System in Brettspiel, Karten-, Würfel- oder Plättchenspiel sehr ähnlich ist, hat jedes Spiel seinen eigenen “flavor”, sein eigenes Flair. Das Plättchenspiel ist, vielleicht gerade aufgrund seiner selbst im Vergleich zum Kartenspiel noch mal reduzierten Eleganz, mein bislang zweitliebstes Keltis. Bleibt noch “Das Orakel”, die Brettspielerweiterung und das Mini-Spiel…

dice6dice3

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: