Martian Dice

MARTIAN DICE
Autor: Scott Almes
Publisher: Tasty Minstrel Games
2-99 Spieler, 20-30 min, ca. 10 €

Martian Dice - Der Becher

Martian Dice – Der Becher

Ich hatte es in der Rezension zu “Zombie Würfel” ja schon erwähnt – ein Konzept wie das, das Steve Jackson sich für seinen Verkaufsschlager hat einfallen lassen, bleibt selten unkopiert. Dieweil Jackson selbst mittlerweile drei (!) Nachzieherspiele (plus die “Zombie Dice 2”-Erweiterung) auf den Markt warf, etwas anspruchsvollere Würfelmassen-Spiele wie (speziell das vielversprechende) “Castle Dice” oder “Dungeon Dice” in den Startlöchern stehen, buhlt der amerikanische Indie-Verlag Tasty Minstrel Game, der eigentlich bekannter für seine US-Lizenzausgaben anspruchsvollerer Eurogames (wie “Village”) als für seine Eigenkreationen ist (die große Ausnahme von der Regel ist der erfolgreiche SF-Deckbuilder “Eminent Domain”, der auch noch darauf wartet, aus meinem Regal auf den Spieltisch befördert zu werden) mit “Martian Dice”, einem schon ziemlich frechen “Zombie Dice”-Klon, um die Gunst der Käufer.

Wie “Zombie Dice” werden die Marsianerwürfel in einem Papp-Würfelbecher geliefert (der exkat den Abmessungen des Zombiebechers entspricht) und wie dort erhält der Kunde dreizehn Spezialwürfel. Doch während man bei den Zombies nun stur Gehirne sammelt, ist das Gameplay bei “Martian Dice”, ich trau’ mich fast nicht, es zu schreiben, eh, doch anspruchsvoller…

Als Spieler sind wir die Vorhut einer marsianischen Invasionstruppe. Unsere glorreichen Führer haben es sich in den Kopf gesetzt, die Erde zu erobern, nur dummerweise ist ihnen nicht ganz klar, wer nun eigentlich die intelligente und dominante Spezies auf dem blauen Planeten ist. Auf drei Optionen hat man’s immerhin runtergebrochen – Kühe, Hühner oder Menschen (man merkt, die Marsbewohner haben null Plan, sonst wüssten sie, dass die Erde von Katzen beherrscht wird). Um nun endgültig austüfteln zu können, wen man nun primär besiegen muss, ist es unsere heilige Aufgabe, von jeder in Frage kommenden Spezies ein paar Exemplare zur Untersuchung in den Laboratorien des roten Planeten zu entführen.

Für eine Handvoll Würfel...

Für eine Handvoll Würfel…

Es läuft so ab – man würfelt zunächst mit allen (!) 13 Würfeln. Gewürfelte Panzer werden sofort zur Seite gelegt (Faustregel: Panzer = schlecht). Von den verbleibenden Würfeln darf man nun eine Sorte herauslegen – entweder Menschen, Hühner, Kühe oder Todesstrahlen (Todesstrahlen sind das einzige auf den Würfeln doppelt vertretene Symbol). Was dann an Würfeln übrigbleibt, darf neu gewürfelt werden – es wird so lange nach dem gleichen Schema vom Spieler weitergewürfelt, bis der entscheidet, dass er genug hat oder keine Würfel mehr herausgelegt werden können. Denn bei der ganzen Herauslegerei gibt es einen Haken: hat man sich z.B. im ersten Wurf entschieden, die Menschen herauszulegen, kann man diese Sorte Würfel in der laufenden Runde nicht noch einmal herauslegen (man will ja im Spielsinne möglichst alle Spezies ergattern). Für Hühner und Kühe gilt das selbe – hat man diese Spezies einmal ausgewählt, sind sie für den Rest der Runde Tabu. Nur Todesstrahlen können bei jedem Wurf herausgelegt werden. Am Ende der Runde muss der Spieler mindestens gleich viele Todesstrahlen wie Panzer erwürfelt haben (widrigenfalls ihn sonst das böse Erdmilitär besiegt) und erhält dann einen Punkt für jeden erfolgreich entführten Erdling plus drei Bonuspunkte, so es ihm tatsächlich gelingt, in einer Runde Erdlinge aller drei Spezies zu kidnappen (was nicht wirklich einfach ist). Sobald ein Spieler 25 Punkte erreicht, wird die aktuelle Runde fertig gespielt und anschließend der punktreichste Spieler zum Sieger erklärt.

Risiko oder nicht? Bei zwei Panzern und drei Todesstrahlen bin ich erst mal sicher, drei Kühe hab ich schon, die vierte darf ich nicht nehmen. Also die drei Hühner und darauf hoffen, noch einen Menschen zu würfeln und Bonuspunkte zu kassieren?

Risiko oder nicht? Bei zwei Panzern und drei Todesstrahlen bin ich erst mal sicher, drei Kühe hab ich schon, die vierte darf ich nicht nehmen. Also die Hühner abgreifen und darauf hoffen, noch einen Menschen zu würfeln und Bonuspunkte zu kassieren?

Mit diesen sehr einfachen zusätzlichen Regeln (im Vergleich zum Vorbild “Zombie Dice”) wird aus dem simplen push-your-luck-System ein Spiel, das den Spieler vor überraschend knifflige Entscheidungen fehlt. Nehme ich mir einen hohen Erdlingswurf (z.B. vier Hühner), obwohl ich schon etliche Panzer draußen liegen habe, bietet das zwar die Chance auf viele Punkte, aber ich *muss* dann noch viele Todesstrahlen würfeln, sonst nützt mir das gar nix – ist es also cleverer, lieber nur eine Kuh zu nehmen und zu hoffen, noch genügend Todesstrahlen und vielleicht die anderen Spezies für Bonuspunkte zu ergattern? Oder was ist, wenn ich zwei Panzer und fünf Todesstrahlen erwürfelt habe? Gehe ich auf Nummer Sicher und nehme die Todesstrahlen, was meine Chancen auf Punkte vermindert (denn wenn ich die Todesstrahlen nehme, muss ich ALLE nehmen) oder riskiere ich es, auf Punkte zu gehen und am Ende ohne genügend Todesstrahlen und damit ohne Punkte dazustehen? Spekuliere ich auf wenige, dafür aber hohe Punkte-Würfe oder hamstere ich lieber viele kleine Punkte ein? Klar, am Ende des Tages ist “Martian Dice” immer noch ein Glücksspiel, im Vergleich zu “Zombie Dice” aber mindestens “Stratego” und demzufolge auch deutlich “langsamer” als sein Vorbild. Wo eine Zombie-Partie auch mal in fünf Minuten ausgespielt sein kann, kann sich “Martian Dice” durchaus auch mal ‘ne halbe Stunde hinziehen (weswegen ich, auch wenn Tasty Minstrel kein oberes Limit für die Spielerzahl angibt, nicht mit mehr als fünf oder sechs Spielern antreten möchte). Auch wenn letztlich der Wille des Spielers zum Risiko sowohl hier als auch bei den “Zombies” entscheidend ist, habe ich bei “Martian Dice” mehr Kontrolle (ich bin, außer ich würfle so immens viele Panzer, dass es schlicht mathematisch nicht möglich ist, die entsprechende Anzahl Todesstrahlen zu würfeln, normalerweise nicht in der Situation, mich aus der Hand “tot” zu werfen, wie’s bei den “Zombies” allemal üblich ist), mehr Optionen – durch den set collection-Bonuspunkt-Mechanismus bietet sich mir die Möglichkeit, auch aus einem vergurkten Kraut-und-Rüben-Wurf noch Gewinn zu ziehen, sowohl aggressives als auch defensives Spiel kann erfolgreich sein.

Schwein gehabt - einen Menschen gewürfelt und damit insgesamt 11 Punkte gemacht (4 Hühner, 3 Kühe, 1 Mensch + 3 Bonuspunkte für ein komplettes Set). So kann's weitergehen...

Schwein gehabt – einen Menschen gewürfelt und damit insgesamt 11 Punkte gemacht (4 Hühner, 3 Kühe, 1 Mensch + 3 Bonuspunkte für ein komplettes Set). So kann’s weitergehen…

“Martian Dice” ist schon etwas mehr als ein reinrassiges Partyspiel wie es “Zombie Dice” ist, es ist immer noch “random”, aber das Theme ist lustig und mit den inhärenten Beschränkungen einer reinen Würfelorgie fein umgesetzt – und dabei ist es nicht nur der reine Zufall, der entscheidet. Viel Spaß für verhältnismäßig kleines Geld, in Deutschland aber bislang nur als Import zu haben (Pegasus, übernehmen Sie!).

dice6dice4

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: