Keltis: Das Kartenspiel

KELTIS: DAS KARTENSPIEL
Autor: Reiner Knizia
Publisher: Kosmos
2-4 Spieler, ca. 20 min, ca. 7 €

Keltis: Das Kartenspiel - Die Box

Keltis: Das Kartenspiel – Die Box

Schon wieder “Keltis”? Naja, es liegt ja irgendwo nahe, wenn man schon diverse Varianten zur Verfügung hat, die mal in den direkten Vergleich zu schicken. “Keltis”, das Original-Brettspiel, nur echt mit dem 2008er-Spiel-des-Jahres-Pöppel auf der Box, hat mich ja jetzt nicht SOOO weggeflasht, dass es eine wahre Freude ist. Mal sehen, was die reine Kartenvariante anders und ggf. besser macht.

Das Spielprinzip ist praktisch identisch mit dem Brettspielvorbild – aus von 0 bis 10 numerierten Karten in fünf Farben gilt es, Reihen zu bilden, entweder auf- oder absteigender Natur, so dass sich wieder empfiehlt, mit möglichst hohen oder niedrigen Karten zu starten, um möglichst viele Ablagemöglichkeiten zu haben. In bewährter Manier wird für jede ausgespielte oder abgeworfene Karte eine neue vom Nachzugstapel oder einem der farblich sortierten Ablagestapel nachgezogen.

Da beim Kartenspiel erwartungsgemäß der Spielplan fehlt und man demzufolge keine Figuren ziehen darf, gibt’s natürlich die ein oder andere Neuerung gegenüber dem Kartenauslegen beim Brettspiel. Zunächst mal gibt’s sogenannte “Schlusssteine”, mit denen Farbreihen abgeschlossen werden können – sie erfüllen im Kartenspiel sozusagen den Zweck des “Zielbereichs” des Brettspiels, denn sobald fünf Farbreihen abgeschlossen wurden, ist das Spiel beendet. Die zweite Neuigkeit sind “Punktekarten”, das sind Karten, die keiner Farbreihe zugehörig sind, aber ebenfalls Werte von 0 bis 10 aufweisen. Sie können entweder auf Farbkarten gleichen Wertes zur Verlängerung der Reihen gelegt werden (denn, das dürfte wenige Spieler überraschen, je länger die Reihe, desto mehr Punkte am Ende), alternativ kann man eine eigene Punktekartenreihe aufbauen, in der auf eine auf- oder absteigende Reihenfolge nicht geachtet werden muss und die am Ende pro ausgespielter Karte einen Punkt bringt. Letzte gravierende Änderung ist der Umgang mit den Wunschsteinen – die konnte man ja im Brettspiel einfach aufsammeln. Im Kartenspiel gibt es nun neun Wunschsteinkarten mit Werten von 1 bis 9. Legt man zwei Karten gleichen Wertes ab (z.B. zwei “5er”, egal welcher Farbe oder ob es sich dabei um Punktekarten handelt), darf man sich den entsprechenden Wunschstein nehmen. Wie im Brettspiel wird das Nichtbesitzen von Wunschsteinen massiv mit Minuspunkten sanktioniert, so dass man sich schon darum bemühen solle, solche Karten zu sammeln.

Ein 2-Spieler-Spiel im Gang. Die orangen Karten sind "Wunschsteine" (oben links die Reihe der noch verfügbaren Wunschsteine).

Ein 2-Spieler-Spiel im Gang. Die orangen Karten sind “Wunschsteine” (oben links die Reihe der noch verfügbaren Wunschsteine).

Wie im Brettspiel ist sorgfältig zu überlegen, welche Farben man auslegt, da auch im Kartenspiel nur eine Reihe pro Farbe möglich ist und was man sich einmal in der Not blockiert hat, bekommt man nicht wieder auf. Ein Problem, das ich in der Brettspielrezi angesprochen hatte, scheint auch Dr. Knizia erkannt zu haben – das Endspiel. Wie das Brettspiel endet auch die Kartenvariante mit dem Aufbrauchen des Nachzugstapels. Wo das Brettspiel aber sofort gebietet, jegliche Tätigkeit einzustellen, darf man im Kartenspiel noch zwei Karten aus der Hand (falls vorhanden) gewinnbringend ausspielen. Eine Regel, denke ich, die man unbürokratisch auch ins Brettspiel übernehmen sollte.

Obschon das gesamte Spielprinzip nun wirklich sehr stark am Brettspiel ausgerichtet ist, macht mir das Kartenspiel kurioserweise deutlich mehr Spaß – ob’s daran liegt, dass das Spiel ohne Bewegungsphase ein gutes Stück schneller ist, man während des Spiels nicht auf die Boni achten muss und sich gänzlich auf seine Auslegetaktik konzentrieren kann, weiß ich nicht, aber der Verdacht liegt freilich nahe. Ich gewinne schlicht den Eindruck, dass die “Keltis”-Mechanik ganz simpel ein wunderbares, einfaches, leicht erlernbares und schnuffig durchspielbares Kartenspiel hergibt, auf das in der Brettspielversion unnötigerweise der Chrom und Tand (sprich: Spielplan, Figuren, Bonuswertungen, Punktedopplungen u.a.) draufgepappt wurde und damit die geradlinige Eleganz des “Rauf-/Runter”-Kartensammelns eher ausgebremst denn erweitert oder verbessert wurde. Oder ganz kurz gesagt: “Keltis: Das Kartenspiel” macht mir wesentlich mehr Spaß als das Originalbrettspiel und wird mit tödlicher Sicherheit öfter gespielt werden – wer also nur ein “Keltis”-Spiel haben will, ist nach jetzigem Stand (der das “Orakel” und die Würfelausgabe noch nicht beinhaltet) mit dem Kartenspiel sehr gut bedient.

dice6dice4

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