Zombie Würfel

ZOMBIE WÜRFEL
Autor: Steve Jackson
Publisher: Steve Jackson Games/Pegasus Spiele
2-99 Spieler, ca. 20 min, ca. 10 EUR (Grundspiel)

Die Box/Würfelbecherdose

Die Box/Würfelbecherdose

Ich muss echt überdenken, in welcher Reihenfolge ich hier Spiele rezensiere… in der “Zombiegeddon”-Rezi erwähnte ich “Isola” und sah mich daher dazu genötigt, dem Klassiker ein erklärendes Review angedeihen zu lasen, bei “Mmm… Brains” referierte ich die “Zombie Würfel”, ohne dem geneigten Publikum, das vielleicht nicht täglich bei Spieledealer des geringsten Mißtrauens die Auslage durchstöbert, zu verklickern, wovon, zum Geier, ich denn nun schon wieder quassele.

“Zombie Würfel” oder im amerikanischen Original “Zombie Dice” stammt aus der hit-or-miss-Werkstatt des US-Designers Steve Jackson, der sein Geld hauptsächlich mit dem von mir überhaupt nicht gemochten “Munchkin” und den Gazillionen Derivaten, Expansionen und Varianten verdient (ich lasse an den Dingern nur die John-Kovalic-Illustrationen gelten. Als Spiel halte ich “Munchkin” für geringfügig interessanter als “höchste Karte gewinnt”). Wie bei vielen amerikanischen Verlagen steht bei Jackson das “theme” im Vordergrund (der Gegensatz dazu ist das klassische Eurogame, in dem die Mechanik wichtig ist und das Thema mehr oder weniger passend obendrauf geklebt wird) und wie bei manch anderem amerikanischen Verlag ist SF, Fantasy und Horror ein stets willkommener Themenspender.

“Zombie Würfel”, da all things zombie in Spieleform mindestens ebenso beliebt sind wie als Filmthema (und wie bei den Filmen gibt’s mittlerweile auch eine lautstarke Opposition, die sich wünschen würde, dass man auch mal wieder was *anderes* macht), ist ein ganz einfaches Partywürfelspiel. Als Spieler ist man ein Zombie mit dem bekannten Heißhunger auf frisches HIRRRRN. Die 13 Spezialwürfel repräsentieren das potentielle Zombiefutter. 6 Würfel sind grün eingefärbt, das sind die “leichtesten” Opfer, vier sind gelb, die sind etwas kniffliger, drei rot, das sind die ganz bösartigen… Jeder Würfel zeigt drei verschiedene Symbole: Gehirne, Fußspuren und Schrotflinten-Feuer. Bei den grünen Würfeln ist die Verteilung 3/2/1, bei den gelben 2/2/2-ausgeglichen, bei den roten 1/2/3. Alle 13 Würfel werden in der Pappdose, die als Verpackung und Würfelbecher Doppelschicht schiebt, ordentlich gemischt, dann zieht der Spieler drei Würfel blind heraus und würfelt diese. Gehirne und Schrotflinten-Treffer werden beiseite gelegt, aus dem Würfelbecher wieder auf drei Würfel nachgezogen und mit eventuellen Fußspuren-Würfeln neu gewürfelt. Dieses Spielchen treibt der Spieler, bis er für seinen Geschmack genügend Gehirne eingesammelt hat oder den dritten Flintentreffer kassiert – dann verfallen die bis dahin erspielten Gehirne ersatzlos und der nächste Spieler ist dran. Wer als erster 13 Gehirne erwürfelt hat, hat noch nicht automatisch gewonnen, doch nur noch die Spieler, die nach ihm in der Reihenfolge dran sind, haben die Chance, sein Würfelergebnis eventuell noch zu übertreffen.

Ein typisches Würfelbild nach zwei-drei Würfen. Drei erspielten Hirnen stehen zwei Schrotflinten-Treffer gegenüber. Ab jetzt wird's riskant...

Ein typisches Würfelbild nach zwei-drei Würfen. Drei erspielten Hirnen stehen zwei Schrotflinten-Treffer gegenüber. Ab jetzt wird’s riskant…

Es gibt tatsächlich kein Limit, wie oft man würfeln darf – hat man alle 13 Würfel verbraucht, ohne mausetot geschossen zu werden, darf man alle Würfel mit Ausnahme der Flintentreffer wieder in den Würfelbecher zurücklegen und weitermachen (der Hausrekord hier liegt bei 16 Hirnen in einem Durchgang). Das ist freilich in erster Linie ein netter catch-up-Mechanismus für die letzte Runde, wenn man einen verzweifelten Anlauf unternimmt, denjenigen, der als erster auf die magische 13 gekommen ist, noch mit letzter Kraft einzuholen.

Selbstverständlich ist “Zombie Würfel” in allererster Linie ein Glücksspiel, aber man kann schon in gewissem Maße ein paar kurzfristig-taktische Überlegungen anstrengen, da Mr. Jackson die Würfel freundlicherweise, wie oben gesagt, farblich markiert hat. Wer schon alle drei roten Würfel aussortiert hat, kann mit gutem Gewissen etwas risikofreudiger spielen als derjenige, der im ersten Wurf gleich mal drei grüne Würfel erwischt hat – natürlich ist es praktisch unmöglich, Würfelwahrscheinlichkeiten zu berechnen (und wer das bei einem launigen Partyspiel wie “Zombie Würfel” tun würde, ist vermutlich genau die Sorte Mensch, diem an bei einem launigen Partyspiel wie “Zombie Würfel” absolut nicht brauchen kann), aber es ist schön, einen “push-your-luck”-Mechanismus vorzufinden, der auch mal zu einer offensiveren Herangehensweise motiviert, auch wenn man schon zwei Treffer kassiert hat (und andererseits auch mal dazu anhält, ein mediokres Würfelresultat mitzunehmen, weil “2” im Zweifelsfalle besser ist als “0”).

Damit allein kann man eine lustige Partyrunde schon mal eine Weile gut unterhalten – die Regeln sind supereasy (eine meiner gravierendsten Fragen zum Regelwerk ist die, wie Steve Jackson Games bzw. Pegasus es geschafft haben, *zwei Seiten* Spielanleitung vollzumalen) und auch in alloholisiertem Zustand mental zu verarbeiten. Allerdings – das ist sicherlich angekommen – “Zombie Würfel” erreicht nicht ganz den Komplexitätsgrad von “Kniffel”. Oder “Meiern”… Aber es wäre kein Spiel aus dem 21. Jahrhundert, ließe es sich nicht mit einer Erweiterung pimpen.

“Zombie Dice 2” ist aus mir völlig unbegreiflichen Gründen in Deutschland nicht erschienen (und angesichts der schieren Ratlosigkeit, die mir auf entsprechende Nachfrage am Pegasus-Stand auf der SPIEL entgegenschlug, scheint da auch nichts unmittelbar in der Pipeline zu stecken), so dass der brave Mann sich mit einem beherzten Import behelfen muss (was dann dazu führt, dass die Erweiterung praktisch den gleichen Preis wie das Grundspiel vom Konto zieht). Für seinen Obolus erhält man drei neue Würfel, mit denen drei neue Spielvarianten möglich sind.

Variante 1 ist “The Big Summer Blockbuster Movie”. Hierfür werden zwei gelbe Würfel entfernt und durch einen weißen und einen rosanen ersetzt. Der weiße Würfel repräsentiert den Actionhelden, und der ist giftig. Neben dem “normalen” Flintentreffer hat er einen Doppeltreffer zu bieten, der dann natürlich auch für zwei zählt. Das kann eine eifrig ersammelte Hirnsammlung erstaunlich kurzfristig vernichten. Als Ausgleich dafür zählt sein Hirn ebenfalls doppelt – nicht, weil er doppelt so schlau wäre wie ein normales Opfer, sondern weil’s aus Zombiesicht einfach doppelt so lecker ist, den großen Macker zu verspeisen. Der rosa Würfel steht für die “heiße Blondine”. Die ist in erster Linie auf ihren Stöckelschuhen erstaunlich schnell (d.h. der Fußspuren-Anteil ist überdurchschnittlich) und hat ansonsten “normale” Hirn- und Trefferseiten zu bieten. Der besondere Gag ist, dass Held und Blondie sich gegenseitig “retten” können. Glaubt man, einen der beiden schon verdaut zu habe und würfelt mit dem anderen einen Flintentreffer, ist das Gegenstück “gerettet” und wandert aus dem Hirnvorrat zurück in den Würfelbecher. Besonders ärgerlich natürlich, wenn man meint, den Helden schon erfolgreich enthirnt zu haben…

Die Würfel aus der "Zombie Dice 2"-Erweiterung

Die Würfel aus der “Zombie Dice 2”-Erweiterung

Variante 2 nennt sich “Santa Claus vs. the Zombies” und ersetzt einen grünen Würfel durch den knallroten Weihnachtswürfel, der gleich drei Sonderfunktionen hat. Neben dem normalen Gedöns Treffer/Hirn/Fußspuren kann man Santa nämlich in weihnachtlicher Geberlaune erleben. Der “Energy Drink” sorgt dafür, dass man während dieser Runde alle grünen Fußspuren auf Hirn umdrehen kann (man ist nun im Spielsinne schneller und erwischt die lahmen grünen Schnecken noch), mit dem “Football-Helm” hält man einen Treffer mehr aus (was selbstverständlich dazu anregt, sein Glück öfter mal auf die Probe zu stellen) und wenn man ganz besonders lieb ist, spendiert Santa einem sogar zwei Gehirne (und es sind wirklich geschenkte, nicht erbeutete Hirne, was für Spielvariante 3 wichtig ist).

Die dritte und letzte Variation, “The Cheap DTV Sequel”, besteht darin, dass man alle drei neuen Würfel einsetzt. Alle Regeln gelten entsprechend den “einfachen” Erweiterungen, mit dem Zusatz, dass die “Retter”-Regel auch auf Santa Claus zutrifft (er kann also Held und Blondine retten und von ihnen gerettet werden – hier ist aber die Unterscheidung wichtig, dass das Santa-Doppelhirn ein Geschenk ist. Es ist von der Rettung nicht betroffen).

Held und Blondine verschärfen das Spiel enorm, da sie deutlich “bösartiger” sind als die durch sie ersetzten gelben Würfel – wer also auch in einem reinen Glücksspiel auf Balance Wert legt, sollte stets die “DTV-Sequel”-Version spielen, da die Santa-Vorteile gerade im Hinblick auf den Doppeltreffer des Helden dringend notwendig sind… Auf alle Fälle sorgen die neuen Würfel für lang anhaltenden Spielspaß.

Als Partyspiel, Eisbrecher oder Füllerspiel zwischen zwei “richtigen” Spielen sind die “Zombie Würfel” in jeder vernünftigen Sammlung unverzichtbar. Die Würfelorgie macht erheblich mehr Spaß als Knizias dagegen hochmathematisches “Mmm… Brains”, ist in seiner Dosenform ein perfektes Reise- und Mitbringspiel und bringt jede Fete auf Touren. Von Jacksons spin-off-Spiel “Cthulhu Dice” wird eher abgeraten, das Konkurrenzprodukt “Martian Dice” aus dem Hause Tasty Minstrel Games hingegen wird recht wohlwollend besprochen. Ich muss das wohl noch einer persönlichen Untersuchung unterziehen…

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