The Current Number of the Beast

THE CURRENT NUMBER OF THE BEAST

Autoren: Todd & Kerry Breitenstein

Publisher: Twilight Creations Inc.

2-6 Spieler, 30-60 min, ca. 18 €

The Current Number of the Beast - Box

The Current Number of the Beast – Box

Jajaja, schon wieder Twilight Creations… das Problem ist, ich bin langsam mit den Spielen, die ich guten Gewissens besprechen kann, weil ich sie innerhalb eines überschaubaren Zeitrahmens gespielt habe, durch. Der Stapel Neuerwerbungen muss erst noch gespielt werden, aber von TCI hab ich halt noch ein-zwei Titel in der Hinterhand.

Dann also “The Current Number of the Beast”, eine Neuerscheinung von der diesjährigen (2012er) SPIEL. “The Number of the Beast” lautet, da sind sich Iron Maiden und Bibelforscher einig, 666 und in diesem Spiel ist das die Ausgangsbasis. Jeder Spieler bekommt einen Satz von drei Würfeln, darf selbigen einmal rollen und das Ergebnis in eine beliebige Reihenfolge bringen, die der Zahl des Tiers, vulgo der 666, so nahe wie möglich kommt. Einen Wurf mit den Augen 3, 5 und 2 darf mal also wahlweise als 352, 325, 523, 532, 235 oder 253 arrangieren. Dazu wird noch ein “neutraler” Würfelsatz auf die gleiche Weise gewürfelt und in die Mitte gelegt. Von nun an operiert man hauptsächlich mit seinen Handkarten, drei an der Zahl. Diese erlauben es nämlich, die Würfelwerte zu manipulieren – es gibt Karten, die erlauben es, einen Würfel um einen Wert höher zu drehen (also von 3 auf 4 oder von 5 auf 6), Karten, die verlangen, dass man einen Würfel auf einen niedrigeren Wert dreht (also eben von 4 auf 3 etc.), Karten, die es einem erlauben, einen oder mehrere Würfel neu zu würfeln, die Reihenfolge umzuarrangieren oder Würfel aus dem eigenen Bestand mit solchen aus dem neutralen Satz zu tauschen. Selbstverständlich dürfen die meisten dieser Aktionskarten auch (oder gerade bevorzugt) auf Würfel der elenden Konkurrenten gespielt werden – immer mit dem Hintergedanken, sich selbst an die Zahl des Tieres heranzutasten und entsprechend die Mitspieler vom Erreichen dieses hehren Ziels abzuhalten.

Das Spielmaterial - Karten und Würfel

Das Spielmaterial – Karten und Würfel

Das allein könnte nun schon für ein munteres Aufeinandereinkloppen reichen, doch da gibt’s noch ein paar Feinheiten. Zum einen gibt es “Freeze”-Karten, die eigene Würfel vor dem Zugriff der fiesen Feinde schützen, zum anderen, und das ist der eigentliche Clou des Spiels, der sich am Qualifikator “Current” im Titel manifestiert – die Zahl des Tieres kann und wird sich im Spielverlauf mit tödlicher Sicherheit ändern. Denn neben dem Tier an und für sich befindet sich im Deck ein Rudel mehr oder weniger naher Freunde und Verwandter des dämonischen Biests – sein Nachbar (“665”), sein Freund (“556”) oder sein Kind (“333”). Spielt man eine solche Karte aus, ändert sich konsequenterweise die Zielvorgabe, und die ganze schöne Würfeldreherei, der man sich in den letzten Zügen hingegeben hat, war umsonst. Ein besonderer Gag ist das “Stiefkind des Tiers” – das hat die Zielvorgabe 667 und wer sich jetzt so einen schnöden ordinären Sechsseiterwürfel genauer ansieht, wird möglicherweise realisieren, dass diese Aufgabe schlicht unlösbar ist, zumindest, bis ein Spieler, der das Elend nicht mehr mit ansehen kann, eine neue Biestkarte spielt…

Aktions- und Biestkarten

Aktions- und Biestkarten

“The Current Number of the Beast” ist, wenn man so will, ein Spiel, das das Schlimmste aus den Randomisierungseffekten von Würfel- und Kartenspielen hernimmt und gerade *daraus* sein Gameplay bastelt. Luck of the roll plus luck of the draw – der blasierte Eurogamer rettet sich vor’m Herzinfarkt nur durch den rettenden Griff zur “Agricola”- oder “Puerto Rico”-Schachtel (um sie dem “Current Number”-Besitzer über den Schädel zu ziehen). Aber das Prinzip, Würfeleffekt via Karteneffekt auszulösen, macht ‘ne Menge Spaß – trotz oder gerade weil nicht alle Karten schlichtes Randomisieren (also Neuwürfeln) verlangen, sondern man, zweifellos beschränkt, ein wenig Planen kann (und wenn der Zufallsfaktor Würfel ins Spiel kommt, kann das auch zum Eigentor werden, denn selbstverständlich kann sich der Gegner durch einen aufgezwungenen Neuwurf ebenso verbessern wie man sich selbst durch einen beabsichtigten Neuwurf deutlich verschlechtern kann). Der Urinstinkt der Schadenfreude, wenn man seinem Kontrahenten eine unliebsame Karte reinwürgen kann, feiert sowieso fröhliche Urständ und genauso darf man sich schwarz ärgern, wenn kurz, bevor man die Zielvorgabe erreicht hat, ein hinterfotziger Gegner die Biest-Karte austauscht oder den besten Würfel neu rollen lässt.

ein per "Freeze" geschützter Würfel in der Kombination

ein per “Freeze” geschützter Würfel in der Kombination

Das sehr knapp kalkulierte Handkartenlimit (man hat stets drei Karten auf der Hand) macht langfristige Planung allerdings unmöglich – ob es sich lohnt, Karten, die man im Moment nicht brauchen kann, aber im späteren Spielverlauf noch nützlich sein könnten, aufzusparen, ist also sehr fraglich, da man sich “totes Kapital” auf der Hand eigentlich nicht leisten kann. Größtes taktisches Mittel ist die “Freeze”-Karte, mit der man einen eigenen Würfel vor fremdem Zugriff schützen kann (es gibt allerdings auch hierfür das passende Gegenmittel in Kartenform). Die Karte befindet sich für meine Begriffe etwas zu häufig im Deck – zumindest laut Spielregel hindert nichts einen Spieler daran, alle drei Würfel per Freeze zu schützen und das läuft dem “Geist des Spiels” dann doch entgegen. Das ist aber auch nichts, was man nicht durch eine Hausregel oder das Aussortieren einiger Freeze-Karten korrigieren könnte.

Nicht zu verhehlen ist, dass es, speziell bei größerer Runde, schwierig werden kann, zum Ende zu kommen, weil man sich vermutlich auf den “führenden” Spieler einschießen wird. Man könnte, um ein ausuferndes Endspiel zu vermeiden, z.B. vereinbaren, nach dem zweiten Durcharbeiten des Nachzugstapels das Spielende zu verkürzen und den, der nach Würfelaugendifferenz am nächsten an der aktuellen Zielvorgabe ist, zum Sieger zu erklären.

Das Artwork ist grandios – die Karten mit ihren dämonischen Motiven sind eine Augenweide, sofern man mit der dunklen Seite der Kunst etwas anfangen kann. Dass man “The Current Number of the Beast” nicht unbedingt seinen Grundschulkindern vorsetzt, könnte ich gut verstehen… Die Spielanleitung ist kurz, aber verständlich (angesichts des Rufs, den Twilight-Creations-Regelhefte genießen, frage ich mich, ob ich andere TC-Spiele kaufe als der Rest der Welt oder mein Hirn auf der gleichen Wellenlänge funkt wie das der Breitensteins. Bis jetzt hab ich noch bei jedem TC-Spiel in meiner Sammlung durchgeblickt).

“The Current Number of the Beast” ist also sozusagen das ideale Spiel, wenn man was leichteres spielen will, sich aber nicht zwischen Würfel- und Kartenspiel entscheiden kann – in diesem Fall sozusagen “best of both worlds”. Eine Frage bleibt aber: wie zum Geier verschließen die Twilighter ihre Schachteln? Per Operation Vaku-Saug? Das kriegt doch kein normaler Mensch auf…

dice6dice4

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