Die Siedler von Catan – Das Würfelspiel

DIE SIEDLER VON CATAN – DAS WÜRFELSPIEL
Autor: Klaus Teuber
Publisher: Kosmos
1-4 Spieler, ca. 20 min, ca. 7 € (Standardausgabe), 14 € (XXL-Box)

Catan-Würfelspiel - Die Box

Catan-Würfelspiel – Die Box

Wovon jeder Spieledesigner träumt, ist die Erfindung eines richtig großen Hammer-Hits, der sich zigmillionenfach verkauft, und dessen Titel auch Nicht-Spielern ein Begriff ist. Gibt schließlich nicht allzuviele Autoren, die vom Zusammenstoppeln von Brett- oder Kartenspielen die Miete bezahlen können. Gut, Richard Garfield muss sicherlich nicht mehr arbeiten gehen, seit “Magic: The Gathering”, warum auch immer, zur Umsatzrakete wurde, Klaus-Jürgen Wrede hat vermutlich in seinem Wohnzimmer einen gen Carcassonne ausgerichteten Schrein stehen, und Klaus Teuber… der hat auch begriffen, dass es der Schaden seines Bankkontos nicht ist, auf irgendein beliebiges Objekt “Catan” draufzuschreiben und es als Ergänzung oder spin-off zum wohl meistverkauften Brettspiel der letzten 20 Jahre zu verhökern. Ob offizielle Erweiterungen, Szenarienpakete, Lizenzausgaben (wie das neue “Star Trek Catan”), Spielebücher, Collectibles, regionale Sondereditionen, Karten- und Würfelspiele (mit ihren eigenen Expansionen, Varianten und Ergänzungen), “Catan” ist eine Marke, ein Franchise, bei dem die eigentliche Qualität mittlerweile mehr oder weniger bedeutungslos ist, da Teuber und Kosmos durchaus wissen, dass sich der Kram verkaufen *wird*.

Selbstverständlich wurde “Catan” nur zu diesem Umsatzgiganten, weil das zugrundeliegende Brettspiel schlicht und ergreifend verflucht gut ist (deswegen ist es mir auch deutlich lieber, dass “Catan” und “Carcassonne” die prägenden Brettspiele des ausgehenden 20./beginnenden 21. Jahrhunderts sind, als wenn “Monopoly” immer noch das Aushängeschild der Branche wäre) – das gilt aber nicht für alle seine Ableger, das Kartenspiel z.B. halte ich für nur unwesentlich witziger als einem Farbeimer beim Trocknen zuzusehen. Das sehen angesichts der ganz guten Kritiken und recht hohen Wertung bei Boardgamegeek wohl die meisten Leute anders, aber zum Glück bin ich nicht die meisten Leute und kann mich daher auch an das Würfelspiel halten. Nun scheint “Würfel” und “Catan”, umgerechnet also “pures Glück” und “strategisches Denken und Verhandlungsgeschick” nicht auf Anhieb eine Ehe zu sein, die im Himmel geschlossen wird und ja, es ist natürlich so – mit dem klassischen “Catan” hat die Würfelei vom Gameplay her nicht wirklich etwas zu tun, auch wenn das Szenario das Übliche ist.

Jeder Spieler besiedelt eine (eigene) Insel, die aus sechs Sechseckfeldern besteht, die auf dem Blatt eines Spielblocks aufgezeichnet sind (das Mittel-Feld ist leer und bleibt ohne Bedeutung). Diese Insel hat vorgegebene Plätze für Straßen, Siedlungen und Städte, die es zu bauen bzw. im Spielsinne im Würfelpokerprinzip mit Spezialwürfeln zu erwürfeln gilt. Wie im großen Brettspielbruder sind hierfür Rohstoffe erforderlich – Holz und Lehm für den Straßenbau, Getreide, Schafswolle , Holz und Lehm für eine Siedlung, Getreide und Erz für eine Stadt. Mit einem durchwachsenen Würfelergebnis Getreide/Schafswolle/Erz kann man sich einen Ritter stricken, der später als Rohstoffjoker eingesetzt werden kann. Das erwürfelbare Gold kann als Tauschmaterial eingesetzt werden – zwei Gold-Würfel ergeben einen beliebigen Rohstoff, ein einzelnes gewürfeltes Gold darf sich der Spieler an den Hut stecken, es ist wertlos.

Catan-Würfelspiel - Block und Würfel

Catan-Würfelspiel – Block und Würfel

Was man bauen kann, ist relativ strikt vorgegeben – Siedlungen und Städte müssen in der Reihenfolge ihrer Siegpunktwertigkeit (3 bis 11 Punkte für Siedlungen, 7 bis 30 Punkte für Städte) gebaut werden und können zudem erst hochgezogen werden, wenn zu ihnen eine Straße hinführt (Straßen bringen immer einen Siegpunkt). Auch die Reihenfolge der käuflichen Ritter (“kaufen” gefällt mir in dem Zusammenhang etwas besser als “bauen”, was man wohl nachvollziehen kann) ist vorgegeben – der erste, den man sich zulegen kann, ist der Erz-Ritter (der einen Punkt bringt), dann geht es über den Getreide-, Woll- usw.-Ritter  bishin zum Universaljokerritter für sechs Punkte. Was man errichtet bzw. gekauft hat, markiert man auf seinem Plan und trägt die erzielten Punkte in das Feld für die entsprechende Runde ein (wobei jeder der Joker-Ritter nur genau einmal eingesetzt werden darf. Immerhin ist zumindest freigestellt, in welcher Reihenfolge man seine fertigen Ritter verbrät). Nach vierzehn Runden wird zusammengezählt und, welch Überraschung, der Spieler mit dem am üppigsten gefüllten Punktekonto ist der große Sieger.

Man merkt’s – das Catan-Würfelspiel ist am Ende des Tages nichts großartig anderes als ein gepimptes Kniffel. Man hat drei Würfe pro Runde, darf wie üblich Würfel beiseite legen oder neu würfeln, nach dem dritten Wurf steht das Ergebnis. Da es fünf verschiedene Rohstoffe plus den Gold-Joker gibt, bräuchte man streng genommen noch nicht mal die Spezialwürfel (nicht, dass ich dazu aufrufen möchte, aber es würde reichen, sich bei Kosmos ein paar Nachkauf-Blocks zu bestellen und dann mit handelsüblichen W6 zu spielen). Jeder Spieler würfelt für sich alleine vor sich hin, die Spielerzahl spielt eigentlich keine Rolle – empfohlen wird das Spiel für 1 bis 4 Teilnehmer (als Alleinspieler spielt man halt auf höchstmöglichen Score), aber es spricht theoretisch außer der Downtime für die Spieler, die nicht am Zug sind, nicht wirklich etwas gegen ein Spiel mit sieben oder acht Mitspielern.

Die zwei großen Stärken des Brettspiels – Taktik und Interaktion – stehen bei der Würfelpokerversion freilich auf verlorenem Posten. Da jeder Spieler auf seinem eigenen Spielplan herumwerkelt, gibt es keine Möglichkeit, dem anderen Spieler den Weg zu einer wertvollen Stadt zu verbauen, keinen Wettlauf um einen Rohstoffhafen, noch nicht mal die Boni für die längste Straße oder die größte Ritterstreitmacht, und das Verhandeln und Tauschen mit anderen Spielern fällt ebenso komplett unter den Spieltisch. Dass trotz dieses klassischen “multiplayer solitaire” Catan-Feeling aufkommt, weil man mit den gleichen Rohstoffen hantiert und zumindest auf dem Papier das gleiche Spielziel verfolgt wie bei der “großen” Variante, ist ein Testament an die praktisch unkaputtbare Grundidee Teubers. Es ist und bleibt allerdings ein simples, schlichtes Glücksspiel, das dem Spieler nur wenige spielbedeutsame Entscheidungen abverlangt, sondern einzig auf sein Würfelhändchen abstellt. Normalerweise hat man sowas schon drei- bis fünfmal in der Sammlung, ob man’s dann noch mal mit “Catan”-Branding braucht, ist Geschmacksfrage. Kann allerdings gut sein, dass man spieltechnisch unbelastete Personen eher dazu bewegen kann, ein Catan-Spiel in die Hand zu nehmen als ein “Elder Sign”… Das ist zumindest im hiesigen Haushalt so und man selbst, als erfahrener Gamer, kann sich dann einreden, man spielt nicht etwa Billig-Kniffel aus der Minidose, sondern “Catan”!1!

Über die Catan-Website kann man sich zudem mit zwei Erweiterungen/alternativen Regeln eindecken. Das “Würfelspiel Plus” mit leicht verändertem (gratis downloadbaren) Spielplan stellt auf das klassische Brettspiel-Scoring (10 Siegpunkte, zwei Punkte für eine Stadt, einen für eine Siedlung) zurück und führt auch wieder die längste Straße und die größte Streitmacht ein (in der käuflichen “XXL”-Ausgabe ist das Plus-Regelwerk mit drin), die “Extra”-Variante stellt dann noch den Makel ab, dass jeder Spieler alleine spielt – hier wird auf einem gemeinsamen Spielplan gemalt (auch der kann gratis heruntergeladen werden) und zu den Städten und Siedlungen kommen noch per 6er-Pasch (ggf. mit Jokern) erbaubare Burgen. Diese Version könnte auch dem passionierten Catan-Brettspieler Spaß machen – ich muss das mal ausprobieren…

dice6dice1

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